Minister Backhaus besucht Moorspezialist*innen in Güstrow
Heute hat Klimaschutzminister Dr. Backhaus das Institut für Moorspezialist*innen, angesiedelt beim Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) in Güstrow, besucht. Das Qualifizierungsprogramm startete im April 2025 und bereitet Hochschulabsolvent*innen unterschiedlicher Fachrichtungen wie Agrarwissenschaften, Meeresbiologie oder Biodiversität, Evolution und Ökologie auf den angewandten Moorschutz vor. Für die modellhafte Umsetzung des Programms werden rund 34 Millionen Euro angesetzt. Das Programm wird zu 90 Prozent vom Bund aus dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, zu ca. 5 Prozent aus dem Sondervermögen zur Förderung des Natürlichen Klimaschutzes vom Land Mecklenburg-Vorpommern und zu ca. 5 Prozent von den Einsatzstellen finanziert.
„Die Behebung des Fachkräftemangels ist ein wesentlicher Baustein beim Erreichen der Moorschutzziele. Das Qualifizierungsprogramm „Moorspezialist*innen“ zielt darauf ab, dem Mangel an Fachkräften in den zuständigen Behörden, bei Vorhabenträgern, Wasser- und Bodenverbänden, großen Flächeneigentümern und Planungsbüros im Bereich Moorschutz entgegenzuwirken. Das Personal wird dringend benötigt. Denn MV hat sich ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt. Ein wichtiger Baustein dafür ist neben dem Schutz der Wälder und Gewässer der Moorschutz bzw. die Wiedervernässung der Moore. Denn entwässerte Moore sind hier im Land für ein Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Dieser hohe Anteil liegt im Moorreichtum von MV begründet: 13 Prozent der Landesfläche, d.h. rund 330.000 Hektar, sind mit Mooren bedeckt. Damit ist Mecklenburg-Vorpommern eines der moorreichsten Bundesländer. Wir alle müssen uns dieser besonderen Bedeutung bewusst sein“, appellierte Backhaus.
Bis Ende 2031 sollen bis zu 80 Teilnehmende Bachelor- bzw. Masterabsolvent*innen in einer Zusatzqualifikation zu „Moorspezialist*innen“ ausgebildet werden. Es erfolgte ein regelrechter Run auf die ersten Stellen, mehr als 220 Bewerbungen gingen beim LUNG ein. Davon werden derzeit 20 Teilnehmer*innen ausgebildet, acht als Bachelor-Absolvent*innen und zwölf Master-Absolventinnen. Der erste Jahrgang zur Ausbildung von Moorspezialist*innen umfasst insgesamt fünf Jahre. In jeweils drei Einsatzstellen in Mecklenburg-Vorpommern erhalten die Teilnehmenden praktische Kenntnisse für die Projektsteuerung, Planung, Genehmigung und die Umsetzung von Moor-Klimaschutzprojekten. Die theoretische Ausbildung erfolgt durch die Professur für Moorforschung an der Universität Greifswald. Zu den Inhalten gehören die verschiedensten Aspekte der Moorrenaturierung. Diese reichen über fachlichen Fragen (Moortypen, Hydrologie, rechtlicher Rahmen, etc.), wissenschaftliche Methoden (QGIS-Anwendungen, GEST-Verfahren, etc.) bis hin zur Vermittlung von Methoden der Kommunikation und Konfliktlösung. Die Teilnehmenden müssen ihr erworbenes Wissen in drei Abschlussarbeiten und einer theoretischen Prüfung belegen und erhalten dafür ein Zertifikat. Hinsichtlich der Abdeckung landwirtschaftlicher Themen sind das Institut für Moorspezialist*innen und der Bauernverband MV im engen Austausch. Ab dem zweiten Jahrgang umfasst die Ausbildung drei Jahre.
Gleichzeitig werden die Auszubildenden, die in vier Jahrgängen (ab 2025-2028) am LUNG eingestellt werden, im Land MV in Einsatzstellen durch ein wöchentliches Mentoring angeleitet und ausgebildet. Durch ihre Mitarbeit an verschiedenen Arbeitsprozessen in der Einsatzstelle lernen sie die Breite der Aufgaben kennen. Zu den insgesamt 15 Einsatzstellen zählen derzeit unter anderem das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe, die Flächenagentur MV, die Michael Succow-Stiftung, das Planungsbüro Umweltplan und der Wasser- und Bodenverband „Untere Elde“.
„Besonders freue ich mich, dass sich ab 2026 auch Niedersachsen an der Qualifizierung beteiligen wird. Für 2027 haben weitere Bundesländer Interesse angemeldet. Die Gesamtkoordination, die Ausbildung an der Universität Greifswald und die Qualitätssicherung durch das Institut zur Ausbildung von Moorspezialist*innen am LUNG bleibt auch für externe Teilnehmende durch unser Bundesland abgesichert“, sagte Minister Backhaus.
Wichtigste Kenngröße für die Umsetzung des Moorschutzes ist die landesweit wiedervernässte Fläche auf Moorstandorten. Seit 1991 wurden 400 Moorschutzprojekte auf rund 35.000 Hektar umgesetzt. Davon wurden 202 Projekte auf ca. 19.000 Hektar mit europäischen und landeseigenen Mitteln finanziert. Weitere 2.475 Hektar (18 Projekte) wurden im Rahmen der Naturschutzgroßprojekte Peenetal und Südost-Rügen und des Projekts „Schatz an der Küste“ hauptsächlich aus Bundesmitteln renaturiert. Moorschutzprojekte als Ökokonto- und Kompensationsmaßnahmen fanden auf insgesamt 8.540 Hektar (127 Projekte) statt. Mit MoorFutures wurden drei Projekte auf einer Fläche von insgesamt 79 Hektar umgesetzt.
Im Ergebnis des Moorschutzkonzepts 2000 wurden auf 16.525 Hektar Maßnahmen zur Wiedervernässung oder Verbesserung ihrer hydrologischen Situation umgesetzt. Das Moorschutzkonzept 2009 hatte die Wiedervernässung von Mooren auf 49.000 Hektar bis 2020 als Zielgröße festgelegt. Mit seit dem Jahr 2010 nur auf 14.951 Hektar abgeschlossenen Moorschutzprojekten liegt der aktuelle Wert noch sehr weit von diesem Zielwert entfernt. Bislang sind etwa 12 Prozent der Moore wiedervernässt. Um bis 2040 klimaneutral zu werden, müssten pro Jahr 9.000 Hektar nass werden. Deswegen werden aktuell 20 Projekte zur Wiedervernässung von Mooren vorbereitet.
Das Qualifizierungsprogramm „Moorspezialist*innen“ steht auch auf der Tagesordnung der morgen in Schwerin tagenden 5. Taskforce Moorschutz. Sie holt regelmäßig die wesentlichen Akteure des Moorschutzes aus Mecklenburg-Vorpommern an einen Tisch. Weitere Schwerpunkte sind unter anderem Fragen der aktuellen Rechtsentwicklung, neue personelle Strukturen des Moorschutzes in MV und die Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahme der Moorschonenden Stauhaltung. Es gibt ferner einem Rückblick in die nun auslaufende ELERII-Moorschutzförderperiode. Außerdem berichtet das Greifswald Moor Centrum über aktuelle Vorhaben wie das Forschungsprojekt zu Moor-PV „MoorPower“.
„Seit der letzten Sitzung im Januar 2025 wurden in MV neue Strukturen im Moorschutz weiter etabliert und neu aufgebaut. Neue Rechtspflichten und eine sich verändernde europäische Förderlandschaft stellen Politik, Verwaltung und Landnutzer vor Herausforderungen, für die Lösungen frühzeitig und übergreifend entwickelt werden müssen. Hierfür ist es auch wichtig zurückzuschauen, um Erfolge zu verstetigen und Rahmenbedingungen zielführend und praxistauglich zu gestalten“, sagte Backhaus abschließend.
Anlagen
265 - Besuch Moorspezialisten
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265 - Besuch Moorspezialisten



