Europa ganz regional – LEADER-Aktionsgruppen treffen sich in Güstrow

Nr.071/2019  | 04.04.2019  | Europamv  | europa-mv.de

„Ohne die Europäische Union und ihre Förderpolitik hätte Mecklenburg-Vorpommern in den zurückliegenden 30 Jahren niemals diese Entwicklung nehmen können. Die Finanzhilfen für die Entwicklung der ländlichen Räume spielen dabei eine wichtige Rolle. Mit dem Geld wollen wir die zentralen Orte so entwickeln, dass alle Menschen im Umkreis von höchstens ca. 10 km² alle Angebote der Daseinsvorsorge erreichen können oder diese zu ihnen kommen. Es geht also darum den demografischen Wandel kreativ zu organisieren und Lösungen für eine gute Erreichbarkeit zu schaffen. Ein wichtiger methodischer Ansatz sind die lokalen LEADER-Aktionsgruppen, in denen Menschen Prozesse vor Ort nach dem Bottom up-Ansatz anschieben und mitgestalten können“, sagte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus heute auf der Landeskonferenz der LEADER-Aktionsgruppen Mecklenburg-Vorpommerns in Güstrow.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 14 LEADER-Regionen, die den ländlichen Raum des Landes flächendeckend erfassen. In jeder Region entscheidet eine Lokale Aktionsgruppe (LAG) innerhalb eines zugewiesenen Jahresbudgets selbst, welche örtlichen Initiativen zur Entwicklung der Infrastruktur ihrer Region gefördert werden (Bottom-up-Prinzip). Unterstützt werden die rund 400 ehrenamtlichen Mitglieder der LAGn von je einem Regionalmanagement, das die örtlichen Initiativen berät. Knapp 20 Prozent der eingereichten Ideen konnten bisher zu einem bewilligten Projektantrag geführt werden.

Zentrales Anliegen der LAGn ist die Verbesserung der Daseinsvorsorge. In die Projekte dieses Handlungsfeldes flossen etwa 40 Prozent der LEADER-Mittel. Sie betreffen beispielsweise Dorfgemeinschaftshäuser, Treffpunkte, Gesundheitszentren, Spiel- und Bewegungsplätze, altersgerechten Wohnraum und Mobilitätsprojekte.

Knapp die Hälfte der bewilligten Mittel fließt in die Verbesserung der touristischen Infrastruktur auf dem Lande. Häufig sind sie mit Natur- und Kulturprojekten sowie regionaler Wertschöpfung verknüpft. Ein Fünftel der Mittel werden für Projekte des Handlungsfeldes Bildung verwendet. Beispiele sind Multimedia-Bibliotheken, Umweltbildungshäuser, Werkräume in Kitas. Ebenfalls ein Fünftes der Mittel förderte den Denkmalschutz.

„Derzeit kann ich noch nicht sagen, wie es mit LEADER in der neuen Förderperiode ab 2021 weitergeht, da die erforderlichen Rechtsregelungen zwischen EU, Bund und den Ländern noch nicht geklärt sind “, sagte Backhaus. „Somit steht 2020 vorerst letztmalig ein Budget zur Verfügung.“ Aber angesichts der Bedeutung und der bisherigen Leistungen werde er sich dafür einsetzen, dass es zu Übergangsregelungen kommt, die eine Kontinuität des LEADER-Programms in MV gewährleisten, so der Minister.

 

Hintergrund: 

LEADER ist die Abkürzung von Liaison Entre Actions de Developpement de l´Economie Rurale (frz. für Vernetzung von Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Es steht für ein Maßnahmenprogramm der Europäischen Union, mit dem innovative Aktionen zur wirtschaftlichen Entwicklung ländlicher Regionen gefördert werden.

Mecklenburg-Vorpommern nimmt seit 1994 am LEADER-Programm teil. Seit 2007 ist LEADER Bestandteil des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

In der aktuellen Förderperiode 2014 bis 2020 stehen für LEADER-Projekte rund 79 Mio. Euro zur Verfügung. Zusätzlich gewährt das Land 3 Mio. Euro für die Kofinanzierung von Maßnahmen privater Vorhabenträger. Bisher wurden 603 Vorhaben mit einer Förderung von 71,4 Millionen Euro bewilligt. Diese Vorhaben ermöglichen eine Gesamtinvestition von 100,3 Millionen Euro. 430 dieser Vorhaben sind bereits abgeschlossen und 46,5 Millionen Euro ausgezahlt.

In der Förderperiode 2007 bis 2013 hatten 13 Lokale Aktionsgruppen insgesamt 859 Vorhaben unterstützt. Mit diesen Vorhaben wurden Gesamtinvestitionen in Höhe von 112 Mio. Euro ermöglicht. Es wurden Fördermittel in Höhe von über 75 Mio. Euro ausgezahlt.

In der Förderperiode 2000 bis 2006 (LEADER+) wurden 605 Vorhaben umgesetzt, die von 12 Lokalen Aktionsgruppen ausgewählt wurden. Mit diesen Vorhaben wurden Gesamtinvestitionen in Höhe von über 29 Mio. Euro ermöglicht. Es wurden Fördermittel in Höhe von 25,5 Mio. Euro bewilligt.

Europäische Fonds in Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern wurde für die Förderperiode 2014 bis 2020 als Übergangsregion, der mittleren von drei Förderstufen der Europäischen Union, eingestuft. Damit wird die positive Entwicklung im Land während der vorangegangenen Förderperiode sichtbar, als sich Mecklenburg-Vorpommern im europäischen Vergleich noch auf der Ebene der am wenigsten entwickelten Regionen befand. Von 2014 bis 2020 stehen Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 2,289 Milliarden EURO Fördermittel zur Verfügung - und zwar aus dem

  • Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE),
  • Europäischen Sozialfonds (ESF),
  • Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

Mecklenburg-Vorpommern beim Treffen der EU-Kommunikationsbeauftragten für Kohäsionspolitik

Die in einem EU-weiten Netzwerk organisierten „Cohesion Policy Communicators“ der Mitgliedsländer bewerben die EU-Kohäsionspolitik und vor allem viele einzelne Förderprojekte in der Öffentlichkeit. Bei internationalen Treffen tauschen sie Erfahrungen mit einschlägigen Kampagnen aus. Erste Ideen für die nächste Förderperiode von 2021 bis 2027 werden entworfen. Mecklenburg-Vorpommern war beim diesjährigen Treffen der Kommunikationsbeauftragten in Palermo, Italien, u.a. mit einem Beitrag zum „market place“ dabei. Die „give-aways“ tragen jetzt den Namen Mecklenburg-Vorpommerns sowie einige lokale Projektbeispiele in jede Region Europas.

Die Agenda, weitere Informationen zur Veranstaltung und einzelne Präsentationen finden Sie hier.

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