Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt

Glawe: Potential für den heimischen Arbeitsmarkt nutzen – Integration ist langfristige Gemeinschaftsaufgabe

Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt war Thema im „Pier 7“ in Schwerin. V.l.n.r. Joblotsen des Jobcenters Schwerin: Elisa Birkholz und Stephan Schwieske; Jobcenter-Geschäftsführerin Regine Rothe; Vorsitzende der Geschäftsführung, Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit Margit Haupt-Koopmann; syrischer Mitarbeiter im Pier 7 - Sami Alwattar; Wirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommern Harry Glawe und Gastronom Jörg Buß (u.a. Pier 7). Quelle: WM Details anzeigen
Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt war Thema im „Pier 7“ in Schwerin. V.l.n.r. Joblotsen des Jobcenters Schwerin: Elisa Birkholz und Stephan Schwieske; Jobcenter-Geschäftsführerin Regine Rothe; Vorsitzende der Geschäftsführung, Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit Margit Haupt-Koopmann; syrischer Mitarbeiter im Pier 7 - Sami Alwattar; Wirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommern Harry Glawe und Gastronom Jörg Buß (u.a. Pier 7). Quelle: WM
Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt war Thema im „Pier 7“ in Schwerin. V.l.n.r. Joblotsen des Jobcenters Schwerin: Elisa Birkholz und Stephan Schwieske; Jobcenter-Geschäftsführerin Regine Rothe; Vorsitzende der Geschäftsführung, Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit Margit Haupt-Koopmann; syrischer Mitarbeiter im Pier 7 - Sami Alwattar; Wirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommern Harry Glawe und Gastronom Jörg Buß (u.a. Pier 7). Quelle: WM
Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt war Thema im „Pier 7“ in Schwerin. V.l.n.r. Joblotsen des Jobcenters Schwerin: Elisa Birkholz und Stephan Schwieske; Jobcenter-Geschäftsführerin Regine Rothe; Vorsitzende der Geschäftsführung, Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit Margit Haupt-Koopmann; syrischer Mitarbeiter im Pier 7 - Sami Alwattar; Wirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommern Harry Glawe und Gastronom Jörg Buß (u.a. Pier 7). Quelle: WM
Nr.170/18  | 04.06.2018  | Europamv  | europa-mv.de

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts- und Arbeitsminister Harry Glawe und die Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit Margit Haupt-Koopmann haben am Montag in Schwerin Möglichkeiten der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt vorgestellt. „Wir wollen geflüchtete Menschen noch besser bei allen Fragen der Ausbildungs- oder Arbeitsaufnahme unterstützen. Die berufliche Integration der in Mecklenburg-Vorpommern lebenden geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt ist eine große Herausforderung. Sie kann nur gelingen, wenn breite Bündnisse aller an der sozialen und beruflichen Integration beteiligten Akteure sie als langfristige Gemeinschaftsaufgabe begreifen“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe.

 

Margit-Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, illustrierte einleitend, wie facettenreich die von Minister Glawe angesprochene „soziale und berufliche Gemeinschaftsaufgabe“ ist: „Wir müssen uns bei diesem Thema immer wieder bewusst machen, dass zahlreiche Handlungsfelder betroffen sind - etwa der Erwerb der deutschen Sprache, die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, die Absicherung des wirtschaftlichen Existenzminimums, die Bereitstellung von Wohnraum, die Begleitung in allen Belangen des täglichen Lebens und die Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Sie erfordern ein abgestimmtes Vorgehen aller jeweils Verantwortlichen!“

 

Anschließend ging sie auf die Situation (Mai 2018) am Arbeitsmarkt ein: „3.100 Arbeitslose in Mecklenburg-Vorpommern stammen aktuell aus den TOP-8 Asylherkunftsländern - davon 2.360 aus Syrien. Im Mai 2017 waren es insgesamt 2.480.“

 

Der Zuwachs um 630 oder 25,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr werde jedoch relativiert, wenn man die Abgänge aus Arbeitslosigkeit in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung seit 2106 betrachte. „2016 nahmen“ - so Haupt-Koopmann - „339 Arbeitslose aus den TOP-8 Asylherkunftsländern eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Mecklenburg-Vorpommern auf. 2017 waren es schon 909. Und nun - von Januar bis April 2018 - haben bereits 418 eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen. Wenn wir uns also die Abgänge aus Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf anschauen, dann ist für mich eine Botschaft zwingend: Die Richtung stimmt!“

 

Sie unterstrich, dass besonders der Dienstleistungsbereich - etwa das Gastgewerbe, das Gesundheitswesen und der Handel - sowie das produzierende Gewerbe profitierten. „Wir müssen die Chancen sehen, die sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels für das Land eröffnen.“ Daher ging sie ergänzend auch auf den Ausbildungsmarkt ein. „Natürlich kommt eine Ausbildung - aus vielen Gründen - noch nicht für jeden jungen Flüchtling in Frage. Doch ermutigend ist für mich auch hier die Datenlage aus dem Monat Mai. Wir haben aktuell 364 Bewerberinnen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen aus der Gruppe der Flüchtlinge bei uns registriert, davon sind 107 versorgt. Besonders das große Interesse an Berufsausbildungen in technischen Berufen, aber auch in den Gesundheitsberufen und im Tourismus finde ich erfreulich.“

 

Potential für den heimischen Arbeitsmarkt

„Um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken, müssen Betriebe alle Möglichkeiten zur Besetzung ihrer offenen Stellen nutzen“, so Glawe weiter. Potential für den heimischen Arbeitsmarkt stellen knapp 8.000 Personen dar, die als Geflüchtete zu uns gekommen sind. Knapp 5.000 davon sind unter 35 Jahren. „Um ihnen eine Chance auf einen Arbeitsplatz zu geben, brauchen wir Offenheit, Engagement und Mut der Unternehmen und Bereitschaft, auch mal unkonventionelle Wege zu gehen. Wir können Geflüchtete als Fachkräfte gewinnen. Mir ist wichtig, dass die vorhandenen Angebote im Land intensiv genutzt werden und wir bei möglichst vielen Geflüchteten bald sagen können, dass sie in einem Betrieb angekommen sind“, sagte Wirtschaftsminister Glawe.

 

22 Joblotsen in Mecklenburg-Vorpommern etabliert

Das Wirtschaftsministerium unterstützt insgesamt 22 Joblotsen im Land. Diese sind bei den Jobcentern angesiedelt. „Die Joblosten helfen Geflüchteten bei der Arbeitsplatzsuche, begleiten sie bei allen notwendigen Schritten und helfen und unterstützen Arbeitgeber bei allen Fragen rund um die Arbeitsaufnahme. Sie sind enorm wichtige Ansprechpartner vor Ort. Sie leisten einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der beruflichen Integration von Geflüchteten bei uns in Mecklenburg-Vorpommern“, betonte Wirtschafts- und Arbeitsminister Glawe.

 

Gegenstand der Förderung sind die Personalausgaben für Joblotsen, die bei den Agenturen für Arbeit oder Landkreisen bzw. kreisfreien Städten eingestellt und an die Jobcenter in Mecklenburg-Vorpommern abgeordnet werden. Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem die Akquise von Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsstellen für geflüchtete Menschen. Weiterhin sind sie Mittler zwischen Arbeitgeber und Beschäftigung suchenden geflüchteten bzw. beschäftigten geflüchteten Menschen. Sie unterstützen die Zusammenarbeit mit Sprachkurs- und Bildungsträgern, Kammern u.a. bei der Organisation von Praktika, Ausbildungs- und Arbeitsaufnahmen sowie den erforderlichen Qualifizierungsmaßnahmen. Ebenfalls leisten sie Unterstützung bei der erfolgreichen betrieblichen Integration von geflüchteten Menschen sowie Begleitung der geflüchteten Menschen, wie beispielsweise zu Ausländerbehörden, Jugend- und Schulämtern. Die Joblotsen werden vom Wirtschafts- und Arbeitsministerium für die Dauer von zwei Jahren mit rund 2,7 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) unterstützt.

 

Projektgruppe für die berufliche Integration von Migrantinnen und Migranten

Im Wirtschafts- und Arbeitsministerium ist eine Projektgruppe für die berufliche Integration von Migrantinnen und Migranten seit Ende des vergangenen Jahres eingerichtet worden. Ein Landes- und vier Regionalkoordinatoren sind landesweite bzw. regionale Ansprechpartner besonders der Arbeitgeber für Fragen der Beschäftigung von geflüchteten Menschen. Die Koordinatoren haben ihren Sitz in Schwerin, Rostock, Neubrandenburg und Stralsund. Außerdem unterstützen sie gemeinsam mit den Geschäftsführungen der Jobcenter die regionale Zusammenarbeit der zahlreichen Akteure in diesem Bereich. „Sie greifen Probleme und Schwierigkeiten auf und versuchen Lösungen zu finden, indem sie unsere Kontakte auch zur Bundesebene nutzen“, erläuterte Glawe.

 

Health and Care Office - Nachhaltige Beschäftigung von Migranten aus den Gesundheitsberufen

Darüber hinaus fördert das Arbeitsministerium das Health and Care Office. „Das Projekt hat das Ziel, eine qualifikationsadäquate und nachhaltige Beschäftigung von Migranten aus den Gesundheitsberufen zu gewährleisten. Im Fokus steht die Gewinnung und Bindung der zugewanderten Fachkräfte für Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen, Medizinische Versorgungszentren, stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen sowie die Praxen in Mecklenburg-Vorpommern“, sagte Glawe.

 

Das Projekt läuft in den Regionen Neubrandenburg, Greifswald und Westmecklenburg/Schwerin. Geflüchteten aus medizinischen Berufen werden beispielsweise bei ihrem Spracherwerb durch eine gute zeitliche Koordinierung der Sprachkurse unterstützt. Derzeit sind 227 Personen aus 31 Herkunftsländern - zwei Drittel aus Syrien - Projektteilnehmer. In 2017 konnten 28 Übergänge in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erreicht werden. Hierbei handelte es sich vorwiegend um Ärzte, die eine Beschäftigung in den Kliniken des Landes aufgenommen haben. Das Wirtschaftsministerium unterstützt das Projekt mit 206.000 Euro Landesmitteln in 2018.

 

IntegrationsFachDienstMigration (IFDM) - passgenaue und arbeitsmarktrelevante Qualifizierung

Ein wichtiger Baustein bei der Beratung der Migranten in Fragen der beruflichen Integration sind die IntegrationsFachDiensteMigration (IFDM). Das Aufgabenspektrum reicht von einer individuellen Kompetenzfeststellung, über Beratung bezüglich der nächsten Integrationsschritte (Sprache, Maßnahme, Projekt, Praktika) bis hin zur Einarbeitungsbegleitung. Um ein flächendeckendes Angebot zu ermöglichen, beraten die IFDM regelmäßig auch außerhalb ihrer Hauptstandorte an rund 30 Standorten im Land in Liegenschaften der Kommunen und Jobcenter. „Die enge Zusammenarbeit der Projektmitarbeiter mit den ortsansässigen Unternehmen, den Jobcentern und den Kommunen trägt dazu bei, dass eine passgenaue und arbeitsmarktrelevante Qualifizierung angeboten wird“, so Glawe. Das Wirtschafts- und Arbeitsministerium unterstützt die IFDM aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) in Höhe von insgesamt rund 2,2 Millionen Euro für die Jahre 2016 bis 2018.