Backhaus: Eskalation im Streit um Boddenhechte ist nicht hinzunehmen

Nr.029/2021 - Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt  | 04.02.2021  | Europamv  | europa-mv.de

Backhaus: Eskalation im Streit um Boddenhechte ist nicht hinzunehmen

Ausgelöst durch einen Bericht in sogenannten sozialen Medien, ist der Konflikt zwischen Berufsfischerei und Freizeitanglern rund um Rügen und Hiddensee offenbar eskaliert. Ein Fischer von der Insel Hiddensee ist bedroht worden, einem anderen wurde Altöl ins Boot geschüttet. Der Landesanglerverband und der Verband der Küsten- und Kutterfischer verurteilen diese Verrohung in dem Konflikt, den man längst gemeinsam mit der Politik zu lösen versucht. Fischerei- und Umweltminister Dr. Till Backhaus ruft dazu auf, sich nicht durch Polemik aus dem Internet aufstacheln zu lassen.

„Was wir derzeit zwischen Greifswald und Hiddensee erleben, ist skandalös. Sachbeschädigung oder die Androhung von Gewalt sind keine Kavaliersdelikte und auf keinen Fall hinnehmbar. Angestachelt wurden diese Taten offenbar durch Halbwahrheiten, die in den gar nicht so sozialen Medien verbreitet wurden. Die sind offensichtlich zu einer Geißel der Zeit geworden. Aktuell nehmen die Berufsfischereiaktivitäten auf den Boddenhecht wieder zu, nachdem die beruflichen Anladungen der Hechte viele Jahre stark rückläufig waren. Neben der Berufsfischerei wirken aber auch Angler und andere Sterblichkeits­faktoren wie Kormorane auf den Hecht­bestand ein. Es hat sich deutschlandweit herum­gesprochen, dass hier die größten Hechte zu fangen sind, was viele Angelfreunde nach Rügen gelockt hat. Spekulationen über abnehmende Hechtfänge sind uns seit einigen Jahren bekannt. Also hat das Land eine geeignete Institution gesucht, die sich die Boddenhechte genauer anschaut – übrigens entlang der ganzen Küste von der Darßer Boddenkette über die Rügenschen Gewässer bis zu Peenestrom und Stettiner Haff – und wissenschaftlich basierte Empfehlungen für ein nachhaltiges Bestandsmanagement geben könnte. Schließlich wurde der Auftrag dafür an das renommierte Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Berlin vergeben. Seit 2019 arbeitet das Team um Prof. Dr. Arlinghaus hieran und bindet dabei Freizeit- und Berufsfischer sowie deren Verbände im Land aktiv mit ein. Schon bei Auftragserteilung war geplant, dass sich die aus den Empfehlungen ergebenden Anpassungen für das Bestandmanagement in einer Änderung der Küsten­fischereiverordnung ab 2024 wiederfinden sollen. Das ist auch weiterhin vorgesehen. Wenn das Land hierfür rund 1,5 Mio. EUR einsetzt und zusätzlich auch über das IGB eine Ko-Finanzierung erfolgt, so ist das aus meiner Sicht gut angelegtes Geld. Denn wir wissen ja auch, wie viel an zusätzlichen Einnahmen aus einem effektiven Hechtbestandsmanagement bereits über die angel­touristische Schiene erwachsen kann. Der Landesangler­verband und die Kutter- und Küstenfischer haben diesem Vorgehen von Anfang an zugestimmt,“ so der Fischereiminister.

Der Landesanglerverband hat sich in einer Erklärung von den Vorkommnissen an den Boddengewässern distanziert und verurteilt die Handlungsweisen von Straftätern aufs Schärfste. Der Verband betont die jahrzehntelange gute Zusammenarbeit mit den Berufsfischern mit dem gemeinsamen Ziel des „Schutzes durch nachhaltige Nutzung von Umwelt, Natur und Arten“.  Im Boddenhecht-Projekt wirkten in einer eigens gegründeten Arbeitsgruppe Angler, Fischer, Naturschützer, Fischereiverwaltung und Wissenschaftler eng zusammen, um dem Zustand des Hechtbestandes im Bodden sowie der sinnvollen Bewirtschaftung mit Fakten auf den Grund zu gehen und abgestimmte Empfehlungen zu geben. Die vom IGB geleitete Arbeitsgruppe sucht noch engagierte Hechtfischer, die ihr Wissen einbringen wollen, denn erste Ergebnisse der Forscher*Innen zeigen in der Tat, dass aktuell der Boddenhechtbestand stellenweise rückläufig ist.

Der Landesverband der Kutter- und Küstenfischer hat ebenfalls mit Bestürzung auf die Vorgänge auf Hiddensee und bei Greifswald reagiert. In einem Schreiben an das Fischereiministerium versichert die Verbandsvorsitzende, Ilona Schreiber, der Verband werde auch weiterhin die langjährige und effektive Zusammenarbeit mit dem Landesanglerverband fortsetzen. So ein Ereignis werde keinen Einfluss auf die festgelegten gemeinsamen Ziele haben.

Der wissenschaftliche Leiter des Projektes „Boddenhecht“ Prof. Dr. Arlinghaus bittet unterdessen die Anglerschaft, darunter insbesondere die einheimischen Anglerinnen und Angler, sich in möglichst großer Zahl an einer laufenden Umfrage zu beteiligen, um so die Sichtweise der Angler in einer strukturierten Form in das Projekt einfließen zu lassen. Die Teilnahme an der Umfrage ist über den Link https://www.imug-research.de/Boddenhecht/ jederzeit möglich. „Unter den Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmern werden Gutscheine und Angelgeräte als kleines Dankeschön für die zusätzlichen Bemühungen verlost. Alle Antworten werden absolut vertraulich behandelt, das heißt niemals in Verbindung mit personenbezogenen Daten veröffentlicht oder präsentiert. Die Daten werden ausschließlich durch das Forscherteam ausgewertet und nicht an Dritte weitergegeben. Daneben sind selbstverständlich jegliche Rückmeldungen an das Projekt über im Küstenmeer des Landes gefangene markierte Hechten jederzeit sehr willkommen unter www.boddenhecht-forschung.de und für uns Wissenschaftler sehr wichtig“, so Professor Arlinghaus.

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