Backhaus auf BioFach: „Leistungen für die Umwelt besser honorieren“

Nr.036/2019 - Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt  | 12.02.2019  | Europamv  | europa-mv.de

„Europa und Deutschland müssen stärkere Anreize für eine umweltverträgliche Landwirtschaft setzen. Gesunde Lebensmittel, sauberes Wasser, eine stabile Artenvielfalt und der Klimaschutz müssen endlich Priorität in der Förderung haben. Nur so können wir unsere natürlichen Ressourcen für nachkommende Generationen erhalten und das angeschlagene Image der Landwirtschaft wieder verbessern“, betonte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus anlässlich der weltweit größten Leitmesse für Bio-Produkte BioFach, die vom 13. bis 16. Februar in Nürnburg stattfindet.

„Mecklenburg-Vorpommern ist bisher das einzige Bundesland, das ein eigenes Modell für die künftige Ausgestaltung der Europäischen Agrarpolitik mit dem Ziel entwickelt hat, die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft zu erhalten und gleichzeitig Anreize für die Erbringung ökologischer Leistungen zu schaffen. Dazu rückt M-V das Prinzip ‚Öffentliches Geld für öffentliche Leistung‘ noch stärker in den Fokus. Die bislang vorliegenden Verordnungsentwürfe der EU-Kommission lassen ein Umschwenken auf dieses Modell bereits in Ansätzen erkennen“, führte er aus.

Die ökologische Wirtschaftsweise ist eine wichtige Säule in diesem Komplex: „Der Öko-Landbau ist längst nicht mehr nur eine Maßnahme zum Umwelt- und Klimaschutz, sondern ein fester Produktionsbereich“, so Backhaus. Das in der Koalitionsvereinbarung gestellte Ziel, im Jahr 2021 einen Umfang von 150.000 Hektar ökologisch bewirtschaftete Fläche zu erreichen, wurde in Mecklenburg-Vorpommern bereits 2018 umgesetzt. Das entspricht einem Anteil von 11,4 Prozent an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche von 1,3 Millionen Hektar in MV. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 8,2 Prozent.

„Das ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann und mit dem wir bundesweit an der Spitze mitspielen. Ich würde mir wünschen, dass auch die Verarbeitung und die Vermarktung noch mehr von dieser Entwicklung profitieren“, unterstrich Minister Backhaus. Um die gesamte ökologische Wertschöpfungskette nachhaltig zu stärken, müssten Akteure aus Städte, Kommunen und Landkreisen noch enger zusammenarbeiten und gemeinsam Initiativen auf den Weg bringen, mit den Bio-Produkte in öffentlichen Einrichtungen, auf Veranstaltungen oder Märkten noch stärker verankert werden können, sagte er weiter.

Insbesondere in der Außer-Haus-Verpflegung sei das Bio-Potenzial längst nicht ausgeschöpft, so Backhaus. Dazu gehöre vor allem die Versorgung in Schulen und Kitas. „Wir wollen nicht einfach nur Prozentvorgaben für den Anteil von Bio- und Regionalprodukten machen, sondern den Einrichtungen eine konkrete und breitgefächerte Angebotspalette biozertifizierter und regionaler Erzeugnisse an die Hand geben.“ Die zentrale Aufgabe der Politik sehe er darin, zwischen den beteiligten Akteuren zu vermitteln und in der Optimierung der rechtlichen Rahmenbedingungen.

Minister Backhaus wird am morgigen Mittwoch, den 13. Februar, selbst nach Nürnberg reisen, um mit den Spitzenverbänden über die Perspektiven im Öko-Landbaus zu sprechen und die Unternehmen zu besuchen, die sich am Gemeinschaftsstand des Landes und an anderen Standorten des Messegeländes präsentieren. Mit nunmehr fast 950 biozertifizierten Landwirtschaftsbetrieben wirtschaften in Mecklenburg-Vorpommern knapp 20 Prozent und damit fast jeder fünfte Betrieb ökologisch. Davon sind 210 im Bereich Verarbeitung zertifiziert.

Das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern unterstützt die ökologische Wirtschaftsweise infolge der vorzeitigen Zielerreichung mit 30 Millionen Euro zusätzlich. Damit stehen in der aktuellen Förderperiode 2014 bis 2020 195 Millionen Euro zur Verfügung. Auch der Bund müsse deutlich tiefer in die Tasche greifen, um die ökologische Wirtschaftsweise nachhaltig zu stärken: „Es herrscht ein großes Missverhältnis zwischen kommunizierten Zielen und den tatsächlichen finanziellen Aufwendungen. Wer sich zu 20 Prozent Öko-Landwirtschaft bis 2030 im Koalitionsvertrag verpflichtet, muss das mit entsprechenden Investitionen unterfüttern. Ein Öko-Bundesprogramm allein sieht nur auf dem Papier schön aus“, so Backhaus.

Auch das von Bundeslandwirtschaftsministerin  Julia Klöckner (CDU) vorgestellte staatliche Tierwohllabel kritisierte Backhaus scharf: „Das freiwillige Label ist unzureichend und nicht zu Ende gedacht. Anders als zwischen den Koalitionspartner ausgehandelt, erfasst es nur Teile des Frischfleischsortiments und ist eben nicht verpflichtend. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher ergibt sich daraus kein echter Nutzen. Dabei liegt bei den Eiern ein funktionierendes Kennzeichnungssystem vor, das Orientierung hätte geben können. Auf mich wirkt das Tierwohllabel von Frau Klöckner wie ein Schnellschuss, um nicht gänzlich von den Initiativen aus Industrie und Handel abgehängt zu werden.“

An den Lebensmitteleinzelhandel richtete er die klare Ansage: „Wer Biolebensmittel verramscht, der vernichtet nicht nur bäuerliche Betriebe, sondern ruiniert die Umwelt und die ländlichen Räume.“

 

Hintergrund

Folgende Unternehmen präsentieren das Land M-V auf der BioFach:

  • Biopark Markt GmbH
  • Ludwigsluster Fleisch-und Wurstwaren GmbH
  • Störtebeker Brauerei Manufaktur
  • Qualitätsfleischerzeugergemeinschaft Weidehof w.V.
  • Bio Behr GmbH
  • Biosanica GmbH
  • Sanddorn Storchennest GmbH
  • Mecklenburger Backstuben GmbH
  • EZ Fürstenhof
  • Hof Hoher Schönberg
  • Gläserne Molkerei GmbH Dechow
  • Bio Geflügel Mecklenburg GmbH

 Zahlen:

  • Bio-Legehennen 2017: ca. 746.000 Bio-Legehennenplätze in MV, Anteil ca. 28% in MV und in Deutschland 9,4%
  • Bio-Mutterkühe 2017: ca. 69.700 Bio-Mutterkühe in MV, Anteil ca. 50% in MV und in Deutschland 23,5%
  • Bio-Milchkühe 2017: ca. 4.000 Bio-Milchkühe in MV, Anteil 2,2 % in MV und in Deutschland 4,2 %