Zwischenbilanz zum Förderprogramm Bürgerarbeit

Glawe: Programm wirkt – 208 Langzeitarbeitslose in Bürgerarbeit vermittelt, davon haben 188 erfolgreich Arbeit aufgenommen Haupt-Koopmann: Das neue „Teilhabe-Gesetz“ eröffnet für Langzeitarbeitslose weitere Perspektiven

Toni Pfeffer (l.) zeigt der Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, und Wirtschaftsminister Harry Glawe die Sehenswürdigkeiten von Güstrow auf einem Flyer (© Norbert Fellechner) Details anzeigen
Toni Pfeffer (l.) zeigt der Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, und Wirtschaftsminister Harry Glawe die Sehenswürdigkeiten von Güstrow auf einem Flyer (© Norbert Fellechner)
Toni Pfeffer (l.) zeigt der Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, und Wirtschaftsminister Harry Glawe die Sehenswürdigkeiten von Güstrow auf einem Flyer (© Norbert Fellechner)
Toni Pfeffer (l.) zeigt der Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, und Wirtschaftsminister Harry Glawe die Sehenswürdigkeiten von Güstrow auf einem Flyer (© Norbert Fellechner)
Nr.241/18  | 26.07.2018  | Europamv  | europa-mv.de

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts- und Arbeitsminister Harry Glawe und die Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit Margit Haupt-Koopmann haben am Donnerstag in Güstrow eine erste Bilanz zum Programm „Bürgerarbeit“ gezogen. „Unser Ziel ist es, in enger Kooperation mit den Jobcentern Langzeitarbeitslosen eine Zukunftsperspektive zu bieten - mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Dafür gibt es die Bürgerarbeit. In einer ersten Bilanz wird deutlich: das Programm kommt an. 208 Langzeitarbeitslose sind in die Bürgerarbeit vermittelt worden, davon haben 188 Menschen den Schritt in eine Tätigkeit geschafft. Bemerkenswert ist, dass der überwiegende Teil bei gewerblichen Arbeitgebern angestellt ist. Das zeigt, dass die Zielsetzung des Programms richtig ist“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe vor Ort.

Das Wirtschaftsministerium hat für das Programm insgesamt 1,2 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Verfügung gestellt; davon sind bislang rund 492.000 Euro ausbezahlt worden.

188 Personen sind neu in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung - Unternehmen unterstützen Programm Bürgerarbeit

In der Zeit von September 2017 bis 30. Juni 2018 gab es insgesamt 208 Personen, die eine Beschäftigung begannen; davon waren Ende Juni noch 188 in Arbeit. Wesentliche Gründe für eine vorzeitige Beendigung von Beschäftigungsverhältnissen waren gesundheitliche Gründe. Zu 84 Prozent kamen die neu eingestellten Mitarbeiter bei Arbeitgebern der gewerblichen Wirtschaft unter, 16 Prozent der Stellen wurden bei kommunalen Arbeitgebern geschaffen. Die gewerblichen Arbeitgeber kommen vorwiegend aus dem Baugewerbe (27 Stellen), dem Handel (19) sowie aus den Bereichen Heime und Sozialwesen (22) sowie verarbeitendes Gewerbe (16). Auch Vereine nutzten die Förderung. „Die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern unterstützen das Instrument der Bürgerarbeit. So gelingt Teilhabe auf dem ersten Arbeitsmarkt. Das ist ein Plus für beide Seiten: Langzeitarbeitslose erhalten eine neue Chance und die Betriebe gewinnen neue Mitarbeiter“, sagte Glawe.

Mehr als jeder vierte geförderte Arbeitsplatz kam Alleinerziehenden oder Familien mit mindestens einem Kind zu Gute. Fast jeder zehnte geförderte Arbeitsplatz ist mit einem ausländischen Arbeitslosen besetzt worden - die meisten waren im Rahmen der Zuwanderung seit 2015 nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen.

Die Unternehmen erhalten eine Förderung für die Bereitstellung von Arbeitsplätzen zur Beschäftigung von langzeitarbeitslosen Erwachsenen oder Personen im Langzeitleistungsbezug SGB II mit besonderem Unterstützungsbedarf. Der Zuschuss dient der teilweisen Kompensation der Ausstattung des Arbeitsplatzes sowie des zeitlichen Aufwands hinsichtlich der Verwaltung und beträgt pro eingerichteten Arbeitsplatz 6.000 Euro.

Programm Bürgerarbeit wird weitergeführt

Jetzt ist vorgesehen, das „Programm zur Förderung der Beschäftigung von langzeitarbeitslosen Personen“ („Bürgerarbeit 2018“) weiterzuführen. Bis zu 500 Beschäftigungsverhältnisse können in Mecklenburg-Vorpommern mit einem monatlichen Lohnkostenzuschuss für zwölf Monate à 500 Euro (insgesamt bis zu 6.000 Euro) gefördert werden. Bis Ende 2020 stellt das Wirtschaftsministerium dafür drei Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) bereit. Im Bund ist jüngst ein Gesetzesentwurf gegen Langzeitarbeitslosigkeit beschlossen worden. „Mit unserem Landesprogramm zur Bürgerarbeit schlagen wir eine Brücke zum Bundesprogramm, um auch Langzeitarbeitslose zu unterstützen, die nicht unter die Förderkriterien des Bundes fallen“, sagte Glawe.

Langzeitarbeitslosigkeit: Unterschiedliche Problemlagen erfordern unterschiedliche Angebote

Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, unterstrich, dass das Programm „Bürgerarbeit“ ein wichtiger Ansatz sei, um die Langzeitarbeitslosigkeit in Mecklenburg-Vorpommern zu bekämpfen. Sie betonte jedoch auch: „Minister Glawe und ich wissen: Es gibt keinen Königsweg. Denn schon die Haupthemmnisse für eine Beschäftigungsaufnahme - gesundheitliche Einschränkungen, hohes Lebensalter, fehlende Qualifikationen oder familiäre Pflege- und Betreuungsaufgaben - zeigen, dass wir unterschiedliche Ansätze brauchen, um für Langzeitarbeitslose Wege in den Arbeitsmarkt zu eröffnen.“

Natürlich sei Prävention generell der wirksamste und gleichzeitig wirtschaftlichste Ansatz. „Dennoch ist es wichtig, dass wir auch an jene Frauen und Männer denken, die seit vielen Jahren arbeitslos sind und die aufgrund unterschiedlicher Problemlagen kurz- und mittelfristig - auch bei guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen - keine Chance auf einen Job am ersten Arbeitsmarkt haben.“

„Deshalb begrüße ich“, so Haupt-Koopmann weiter, „das Gesetz zur ‚Schaffung neuer Teilhabechancen für Langzeitarbeitslose auf dem allgemeinen und sozialen Arbeitsmarkt‘, das gerade auf den Weg gebracht wurde und im Januar 2019 in Kraft treten soll. Es ermöglicht, auch in Mecklenburg-Vorpommern flexible und differenzierte Angebote speziell für diese Gruppe zu entwickeln und umzusetzen.“

„Insbesondere die vorgesehene Förderung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung von ‚sehr arbeitsmarktfernen Personen‘ - in Verbindung mit beschäftigungsbegleitender Betreuung und Weiterbildung - bietet für Betroffene die Chance, den Teufelskreis von Arbeitslosigkeit und sozialer Ausgrenzung zu durchbrechen. Ich kann an die Personalverantwortlichen in Kommunen, Wohlfahrtsverbänden und in den Betrieben nur appellieren: Informieren Sie sich! Machen Sie mit! Geben Sie Langzeitarbeitslosen eine Chance.“

Arbeitsmarktdaten in Mecklenburg-Vorpommern

Im Juni waren 61.000 Arbeitslose bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet, die Arbeitslosenquote lag bei 7,4 Prozent (-0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, Rückgang um 4.900 Arbeitslose). Im Vergleich zum Vormonat Mai sank die Arbeitslosigkeit um 2.200 oder 3,5 Prozent. Im Land gibt es derzeit 22.700 Langzeitarbeitslose, die bereits ein Jahr und länger arbeitslos waren (2.100 oder 8,5 Prozent weniger als im Vorjahresmonat). Die Zahl arbeitsloser Alleinerziehender sank im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 500 (7,2 Prozent) auf 6.000.