Weitere Projekte zur Renaturierung des Anklamer Stadtbruches

Nr.196/2018  | 15.06.2018  | Europamv  | europa-mv.de

Der Anklamer Stadtbruch ist mit einer Fläche von rund 1.500 Hektar Deutschlands größter Moorwald. Am Rande des Bruchs in Bugewitz hat Umweltminister Dr. Till Backhaus am Freitag (15. Juni) das mit LEADER-Mitteln fertig gestellte NaturKulturHaus des Vereins Appelbom eröffnet. Die Stiftung Umwelt- und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern (StUN) stellte bei dieser Gelegenheit dem Minister ihr LIFE-Projekt Limicodra vor, ein Projekt zum Schutz wiesenbrütender Watvögel (Limikolen) entlang des Odermündungsgebietes. 

Das Naturschutzgebiet Anklamer Stadtbruch, das zum Naturpark Flusslandschaft Peenetal gehört, steht seit einer Sturmflut 1995 zu großen Teilen unter Wasser. Seit 1998 wird es schrittweise renaturiert. Infolge der günstigen hydrologischen Verhältnisse entwickelte sich eine moortypische Pflanzen- und Tierwelt. Die sich herausgebildeten Röhrichte und Seggenrieden sowie die Vorkommen von Trauerseeschwalben, Rohrdommeln und Kranichen stehen dafür. Auf Grund des großen Nahrungsangebots brüten hier Seeadler in einer Dichte, wie es sie in Deutschland kein zweites Mal gibt. 

Vor allem die Mitglieder des örtlichen Vereins Appelbom versuchen, die einheimische Bevölkerung und ihre Gäste für die Vielfalt der Natur in dieser Moorlandschaft zu begeistern. Nach einem Naturlehrpfad hat der Verein nun ein ehemaliges denkmalgeschütztes Gesindehaus zu einem Informationszentrum ausgebaut, das als Ausgangspunkt für einen gelenkten Naturerlebnis­tourismus dienen soll. Die bisher 269.000 Euro teure Sanierung des Hauses wurde vom Land mit 150.000 Euro LEADER-Mitteln unterstützt. 

In dem Haus befinden sich auch die Büros des Projektes Limicodra. Die StUN will mit vielen Partnern, darunter den bewirtschaftenden Landwirten, langfristig sichern, dass in den ehemaligen Poldern neue Lebensräume für Wiesenbrüter entstehen. Dazu werden kurzrasige Wiesen benötigt, die nach Möglichkeit bis Mitte Juni nasse Böden haben. Das wird nach Ansicht der Experten nicht nur zur Zunahme der Brutvogelarten führen, sondern auch zu größerem Blüh- und Insektenreichtum der Wiesen. 

Das Projekt läuft bis 2025 und wird voraussichtlich 4,0 Millionen Euro kosten. Davon stammen 2,4 Millionen Euro aus dem EU-Programm LIFE. Das Land Mecklenburg-Vorpommern beteiligt sich mit 1,0 Millionen Euro. Den Rest finanzieren mehrere Stiftungen und das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. 

 

HINTERGRUND: 

Das EU-Förderprogramm LEADER (Liaison Entre Actions de Développement de l'Économie Rurale) unterstützt lokale Maßnahmen zur wirtschaftlichen Entwicklung des ländlichen Raums. Die zu fördernden Maßnahmen wählt die Lokale Aktionsgruppe (LAG), ein ehrenamtliches Gremium der örtlichen Bevölkerung, aus. Das erfolgt im Rahmen eines vom Landwirtschaftsministerium bewilligten Budgets und einer von der LAG beschlossenen „Strategie für lokale Entwicklung“.

Die LAG Flusslandschaft Peenetal erhielt für den Förderzeitraum 2014 bis 2020 ein Budget von 4,1 Mio Euro. Bisher wurden rund 2,9 Mio Euro für die Umsetzung von 27 Vorhaben mit einer Kostensumme von 3,8 Mio Euro bewilligt. 14 Vorhaben sind abgeschlossen.

 

LIFE (L'Instrument Financier pour l'Environnement) ist ein EU-Förderprogramm, mit dem seit 1992 Maßnahmen in den Bereichen Biodiversität, Umwelt- und Klimaschutz gefördert werden. Das Programm unterstützt dabei vor allem die Errichtung und das Management des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. 

Am LIFE-Programm können sich öffentliche und private Institutionen aus den EU-Mitgliedstaaten beteiligen. Einmal jährlich können Projektanträge bei der Europäischen Kommission eingereicht werden. Die besten Projekte erhalten eine Förderung. Das Projekt Limicodra ist eines von drei Projekten in Deutschland, die im Jahr 2017 für eine Förderung ausgewählt wurden.