Neue grenzüberschreitende Projekte befürwortet – Einrichtung eines Kinderkrebszentrums, verstärkte Zusammenarbeit im Bereich der Augenheilkunde sowie Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität

Glawe: Wirtschaftliche Zusammenarbeit wird weiter ausgebaut

Nr.57/18 - Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit  | 23.02.2018  | Europamv  | europa-mv.de

Der Begleitausschuss für das europäische Interreg-Programm V A der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und der Republik Polen hat in Löcknitz weitere grenzüberschreitende Projekte befürwortet. „Das grenzüberschreitende Programm leistet einen Beitrag zur europäischen wirtschaftlichen Stabilität im Grenzraum zwischen Polen und Deutschland. Es bringt erfolgreich Menschen zusammen. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit wird weiter ausgebaut. Mit den neuen Projekten wird beispielsweise die Einrichtung eines Kinderkrebszentrums, die Zusammenarbeit im Bereich der Augenheilkunde sowie die Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität unterstützt“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe am Freitag.

 

Acht Projekte sind ausgewählt worden

Insgesamt sind acht Projekte mit einer Gesamtsumme von etwa 10,5 Millionen Euro ausgewählt worden, rund 8,06 Millionen Euro stammen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). „Die Gelder werden über einzelne Projekte dafür eingesetzt, die Wirtschaft beiderseits der Grenze zu stärken, die medizinische Versorgung zu verbessern und die Infrastruktur weiter auszubauen. Das ist auch ein Beitrag zur Verbesserung der Lebensperspektiven für die Bewohner in den grenznahen Regionen“, so Glawe weiter.

 

Projekte im Überblick

1.) Einrichtung eines telemedizinisch integrierten, deutsch-polnischen Kinderkrebszentrums in der Euroregion Pomerania

Krebserkrankungen sind die zweithäufigste Todesursache von Kindern. Mit herkömmlichen Behandlungsverfahren ist kaum noch eine Verbesserung der Heilungschancen möglich. Dazu ist die Nutzung hoch spezieller Verfahren, z.B. die Behandlung mit Radioisotopen (Anwendung in der Strahlentherapie) / Immunotherapien (die Immunotherapie hat das Ziel, diese natürlichen Abwehrmechanismen zu unterstützen und zu aktivieren, damit diese Krebszellen als fremd erkennen und sie zerstören) sowie eine verbesserte Diagnostik erforderlich. Diese Leistungen können nur durch hochspezialisierte Einrichtungen erbracht werden. So ist die Behandlung mit Radioisotopen in der Universitätsmedizin Greifswald möglich, nicht aber in Polen. Bereits heute werden polnische Kinder in Greifswald behandelt. Da es derzeit aber nicht möglich ist, Kinder bereits im Vorfeld ausreichend zu diagnostizieren, sind zahlreiche Voruntersuchungen in Greifswald erforderlich. Dies bedeutet für betroffene Eltern und Kinder einen hohen zeitlichen wie finanziellen Aufwand.

 

In der Euroregion Pomerania sind die Universitätsmedizin Greifswald und das Universitätsklinikum Nr. 1 der Pommerschen Medizinischen Universität auf Kinderonkologie und -hämatologie spezialisiert. Beide Einrichtungen wollen ihre Zusammenarbeit im medizinischen Betrieb und der Lehre deutlich ausbauen. Dazu sollen die diagnostischen Möglichkeiten auf den Stand der Technik verbessert und die Einrichtung telemedizinisch verknüpft werden.

 

Es ist vorgesehen, an der Universitätsmedizin Greifswald ein telemedizinisch vernetztes, deutsch-polnisches Kinderkrebszentrum einzurichten, in welches das Universitätsklinikum Nr. 1 der Pommerschen Medizinischen Universität und Einrichtungen der Gesellschaft für Gesundheit und Leben mbH über eigene telemedizinische Stationen eingebunden werden.

Um neueste wissenschaftliche Erkenntnisse bei der Behandlung schwer krebskranker Kinder berücksichtigen zu können, wird das Collegium Medicum der Jagiellonischen Universität in Krakau von Anfang an in das Netzwerk einbezogen. Das Collegium Medicum ist eine der führenden polnischen Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Kinderonkologie, insbesondere bei der Behandlung schwerer Krebserkrankungen wie Neuroblastom, akute Leukämie oder das Hogdkin-Lymphom. Daher wird auch hier eine Telemedizin-Einheit aufgebaut.

 

Durch den Aufbau des deutsch-polnischen Kinderkrebszentrums werden unter anderem regelmäßige, deutsch-polnische Konsultationen im monatlichen Rhythmus; Telekonsultationen mit Patientenkontakt als Novum sowie die gemeinsame Aus- und Weiterbildung von Medizinern und medizinischem Personal durch den in dieser Form einmaligen Aufbau eines gemeinsamen, deutsch-polnischen Aus- und Weiterbildungsangebots mittels e-Learning, ermöglicht. Darüber hinaus sollen die politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen verbessert werden, um langfristig zu gewährleisten, dass Patienten dort behandelt werden können, wo das beste diagnostische und therapeutische Know-how verfügbar ist.

„Von der medizinischen Zusammenarbeit der deutschen und polnischen Wissenschaftler profitieren alle Einrichtungen, vor allem aber die betroffenen Kinder und ihre Eltern. Forschung, Lehre und Diagnostik werden grenzüberschreitend ausgebaut und Greifswald als wissenschaftlicher Standort im Bereich der Krebsforschung gestärkt“, sagte Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe.

 

Projektpartner:

  • Universitätsmedizin Greifswald Körperschaft des öffentlichen Rechts (Mecklenburg-Vorpommern/M-V)
  • Klinisches Krankenhaus Nr. 1 der Pommerschen Medizinischen Universität in Stettin (Polen)
  • Pommersche Medizinische Universität in Szczecin (Polen)
  • Gesellschaft für Leben und Gesundheit mbH (Brandenburg)
  • Jagiellonen-Universität-Collegium Medicum in Krakau (Polen)

 

Gesamtkosten des Projektes in Euro: 2,7 Millionen Euro

EFRE-Zuschuss in Euro: 2,1 Millionen Euro

 

 

2.) Wissens- und Erfahrungsaustausch im Bereich der modernen Methoden der bildgebenden Diagnostik in der Ophthalmologie (Augenheilkunde)

 

Ziel des Projektes ist der Ausbau der Kooperation zwischen der 1. Abteilung für Ophthalmologie der Pommerschen Medizinischen Universität in Szczecin und der Augenklinik der Universität Greifswald.

 

In dem Projekt sind gemeinsame Schulungen mit praktischen Workshops zu modernen diagnostischen Methoden in der Augenheilkunde geplant und der Kauf von ophthalmologischen Diagnosegeräten, um einen gemeinsamen medizinischen Behandlungsstandard zu erreichen. Das Projekt umfasst Ausbildungs- und Schulungsaspekte auch in Form einer Hospitation in klinischen Zentren beider Projektpartner. Es werden ophthalmologische Diagnostikgeräte erworben, um eine innovative Erforschung bei Erkrankungen der Netzhaut des Auges durchzuführen.

 

Der Höhepunkt der gemeinsamen Anstrengungen wird eine gemeinsame internationale Wissenschafts- und Bildungskonferenz zur modernen Diagnostik und deren Anwendungen sein. Das Hauptthema der geplanten Konferenz ist die Netzhautdegeneration und deren ursächliche, pathologischen Prozesse, die während der Alterung des Auges auftreten.

Dabei geht es vor allem um die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Aufgrund der fortschreitenden Alterung der Gesellschaften in hochindustrialisierten Ländern wird diese Erkrankung einen erheblichen Sehverlust verursachen. AMD betrifft weltweit rund 25 Millionen Menschen, aber es wird geschätzt, dass sich diese Zahl im Laufe des nächsten Jahrzehnts verdreifacht. Um AMD zu diagnostizieren und seine Stadien sicher zu bestimmen, muss der Augenarzt eine Reihe von modernen diagnostischen Tests durchführen. Um die AMD also besser zu verstehen, müssen sich Ärzte und Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete (Internisten, Augenärzte, Geriater, Psychiater) treffen und intensiv zusammenarbeiten.

 

„Die Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Zusammenhang mit dem Austausch von Wissen und dem Erwerb neuer Kompetenzen wird dazu beitragen, die Forschung auf dem Gebiet der experimentellen und klinischen Ophthalmologie an den Universitäten auf beiden Seiten der Grenze zu erweitern“, so Wirtschafts- und Gesundheitsminister Glawe.

 

Projektpartner:

  • Pommersche Medizinische Universität in Szczecin (Polen)
  • Universitätsmedizin Greifswald (M-V)

 

Gesamtkosten des Projektes in Euro: rund 570.000 Euro EFRE-Zuschuss in Euro: 426.500 Euro

 

 

3.) Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität im Bereich der DNA-Diagnostik und der erforderlichen IT-Infrastruktur

Die Projektpartner sind Behörden und Einrichtungen, die für die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit, die Bekämpfung des Terrorismus und die DNA-Diagnostik zuständig sind.

Es ist geplant, eine Infrastruktur zur DNA-Diagnostik zu erarbeiten. Diese neue Infrastruktur soll zur Vereinheitlichung der Untersuchungsergebnisse der polnischen und der deutschen Seite beitragen. Ziel ist es, die Kompatibilität der Technik und der Software in der Wojewodschaft Westpommern und dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern zu verbessern, um eine einheitliche Plattform zur DNA-Analyse und Nutzung der Sequenzierungs-Kits und -Reagenzien (Entschlüsselung von Erbinformationen) zu erreichen.

 

Dadurch kann die Zusammenarbeit der Partner verbessert und standarisiert werden, die Qualität und Geschwindigkeit der durchgeführten Untersuchungen werden erhöht. Das Projekt soll es ermöglichen, eine höhere Anzahl von Untersuchungsaufträgen in einem kürzeren Zeitraum zu erledigen. Vorgesehen sind darüber hinaus gemeinsame Konferenzen, Seminare und Übungen im Rahmen eines Wissens- und Erfahrungsaustausches.

 

„Durch die Intensivierung der Zusammenarbeit der Polizeibehörden aus Mecklenburg-Vorpommern und der polnischen Wojewodschaft Westpommern leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit der Bewohner und Touristen im deutsch-polnischen Raum“, betonte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe abschließend.

 

Projektpartner:

  • Landespolizeipräsidium in Szczecin (Polen)
  • Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern (MV)
  • Pommersche Medizinische Universität in Szczecin (Polen)

 

Gesamtkosten des Projektes in Euro: 1,2 Millionen Euro

EFRE-Zuschuss in Euro: rund 998.000 Euro

 

 

Informationen zum Programm Interreg V A

Das Kooperationsprogramm Interreg V A Mecklenburg-Vorpommern/Brandenburg/Polen ist Teil der Europäischen Kohäsionspolitik und wird im Rahmen des eigenständigen Ziels „Europäische Territoriale Zusammenarbeit“ durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung unterstützt. Das Programm fördert grenzüberschreitende Kooperationsprojekte zwischen deutschen und polnischen Partnern. Für das Programm stehen in der EU-Förderperiode bis 2020 insgesamt 134 Millionen Euro EFRE-Mittel zur Verfügung.

 

Das Interreg-Programm wird umgesetzt in der Wojewodschaft Westpommern in Polen, den Landkreisen Barnim, Uckermark und Märkisch Oderland in Brandenburg sowie in den Landkreisen Vorpommern-Greifswald, Vorpommern-Rügen und im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern. Das Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern leitet die Verwaltungsbehörde im Gesamtprogramm.