Politikbereich Tourismus

Koordinator

Ministerium für Wirtschaft, Bau und Tourismus Mecklenburg-Vorpommern

Ausgangslage

Der Tourismus ist ein wichtiges Standbein der europäischen Wirtschaft. Direkt trug der Sektor im Jahr 2014 mit 3,6% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Europäischen Union (EU) bei und hatte einen Anteil an den Beschäftigten von 5%. Werden indirekte Effekte wie zum Beispiel Investitionen in die Tourismusinfrastruktur addiert, erhöhen sich der BIP- sowie der Beschäftigtenanteil auf 9,7% bzw. 11,1% (Quelle: WTTC – Travel and Tourism, Economic Impact 2015 – European Union.)

Aufgrund seiner vornehmlich kleinbetrieblichen Unternehmensstruktur, insbesondere auch in ländlichen und küstennahen Räumen und eher schwach ausgeprägten Kooperationsstrukturen, sieht die EU im Tourismussektor noch vielfältige Potenziale für Wachstum und Beschäftigung. Die Initiative für Blaues Wachstum (KOM(2012) 494) konstatiert dem Tourismusbereich Potenziale für nachhaltiges Wachstum vor allem im maritimen und Küsten-Tourismus. Die Strategie für mehr Wachstum und Beschäftigung im Küsten- und maritimen Tourismus (KOM(2014) 86) greift diese Empfehlung auf und setzt erste Akzente für eine Umsetzung: z.B. soll ein Kreuzfahrtdialog gefördert, die Entwicklung von Netzwerken unterstützt oder ein Online-Guide für Fördermöglichkeiten speziell für kleine und mittlere Unternehmen zur Verfügung gestellt werden.

Die EU-Strategie für den Ostseeraum (KOM(2009) 248) nimmt im aktualisierten Aktionsplan (Version Juni 2015) im Schwerpunktbereich Tourismus (PA Tourism) diese Entwicklungen auf. Der neu aufgenommene Fokus auf den maritimen und Küsten-Tourismus und die stärkere Einbindung von Unternehmen bedeuten eine zusätzliche Konkretisierung der Ziele des Aktionsplans.

Potentielles Interesse aus MV-Sicht

Mecklenburg-Vorpommern hat als Urlaubs- und Küstenland eine natürliche Verbindung zum Ostseeraum und ein hohes Interesse an einer internationalen Entwicklung als touristische Gesamtdestination. Die gute Binnennachfrage unter den Anrainerländern muss durch verstärktes Interesse aus Drittmärkten weiter ausgebaut werden. Das Beispiel Kreuzfahrttourismus zeigt dabei deutlich, welche wirtschaftlichen Potenziale damit verbunden sind.

Eine professionelle Vermarktung des Ostseeraums, geeignete Tourismusprojekte und die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Politik und Organisationen sind dabei Bestandteile des Aktionsplans.

Der Aktionsplan zur Umsetzung der EU-Ostseestrategie im Politikbereich Tourismus

Im Einzelnen umfasst der Aktionsplan ein übergeordnetes Ziel, vier Teilziele und zwei Maßnahmen, die der Umsetzung bzw. Erfüllung der gesetzten Ziele dienen:

Übergeordnetes Ziel

Langfristiges Ziel der EU-Ostseestrategie im Tourismus ist die Entwicklung und Etablierung des Ostseeraumes als gemeinsame Tourismusdestination im internationalen Kontext. Dabei stehen die Entwicklung einer gemeinsamen Marke, dazugehöriger Marketingaktivitäten und passender Produkte im Vordergrund.

Teilziele sind die

  • Verknüpfung nationaler Tourismusstrategien unter Berücksichtigung der geplanten Europäischen Tourismusstrategie zur Formulierung gemeinsamer Anknüpfungspunkte und gemeinschaftlicher Ansätze
  • Etablierung eines Kooperationsnetzwerkes, welches sowohl private Akteure als auch Akteure aus dem öffentlichen Sektor umfasst
  • Entwurf gemeinschaftlicher Produkte und Dienstleistungen
  • Erstellung gemeinsamer Studien (strategisch und politisch), die spezifische Teilbereiche des Tourismus im Ostseeraum fokussieren

Maßnahmen

1. Förderung von Netzwerk- und Clusterstrukturen zwischen Tourismusakteuren

  • Auf der Ebene der nationalen Tourismusministerien (Arbeitsebene) und –verbände wurde der Lenkungsausschuss (Steering Committee) etabliert. Dieser begleitet den Schwerpunktbereich-Koordinator und unterstützt die Umsetzung des Aktionsplanes im Hinblick auf die transnationale Ausrichtung.
  • Das jährliche Ostsee-Tourismus-Forum (BSTF), im Jahr 2008 von Mecklenburg-Vorpommern initiiert, ist die inzwischen wichtigste Plattform von Tourismusakteuren im Ostseeraum und dient vor allem der Stärkung der Kooperationsstrukturen zwischen der operativen bzw. Arbeitsebene. Damit wurde eine stärkere Anbindung an die Implementierung der EU-Ostseestrategie im Bereich Tourismus erreicht.
  • Beim 8. BSTF in Danzig (September 2015) wird erstmals ein „High Level Meeting“ nationaler Tourismusminister zur Diskussion gemeinsamer Politikfelder stattfinden.
  • Zur Umsetzung und Professionalisierung gemeinsamer Tourismusdienstleistungen und –produkte wird derzeit an der Konzeption eines Ostsee-Tourismus-Centers (BSTC) gearbeitet. Es ist geplant, dieses Büro im Internationalen Haus des Tourismus in Rostock anzusiedeln, das 2016 fertig gestellt wird.

2. Schärfung des Potenzials für nachhaltigen Tourismus im Ostseeraum

  • Hier gilt es Projekte anzustoßen, die in Idee und Umsetzung eine Strahlkraft für den gesamten Ostseeraum besitzen (siehe Flagship-Projekte). Lenkungsausschuss, Koordinatoren der für den Ostseeraum relevanten EU-Förderprogramme, Governance-Strukturen sowie Unternehmen erarbeiten in Workshops die Profile dieser Projekte.
  • Um die Sichtbarkeit der EU-Ostseestrategie im Allgemeinen und des Schwerpunktbereiches Tourismus zu erhöhen, wird die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt. Für den Schwerpunktbereich Tourismus liegt eine erste Broschüre mit relevanten Informationen und Ansprechpartnern vor.
  • Internationale Konferenzen und Tagungen mit Bezug zur Ostsee nutzt der PA Tourismus um den Schwerpunktbereich vorzustellen und bekannter zu machen, so z.B. bei der nächsten Ostseeparlamentarier-Konferenz in Rostock (30.08. bis 01.09.2015).

Die Rolle von Flagship-Projekten bei der Umsetzung der Ostseestrategie

Die Flagship-Projekte sind neben dem Aufbau einer funktionierenden Governance-Struktur essentiell für die Umsetzung des Aktionsplanes. Dies können Projekte, aber auch Prozesse sein, die in besonderer Weise (Vorbildcharakter) zur Erfüllung bzw. Umsetzung der im Aktionsplan festgelegten Ziele und Maßnahmen beitragen.

Der Flagship-Status ist geknüpft an Kriterien, die ebenfalls im Aktionsplan definiert sind, ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer finanziellen Förderung. Die Entwicklung von Flagship-Projekten kann seit 2013 mit einer Anschub-Finanzierung (Seed-Money) von maximal 50 Tsd. Euro für ein Jahr gefördert werden. Die für die Beantragung erforderliche Projektskizze kann in diesem Zeitraum genutzt werden, um als Förderantrag für eines der relevanten EU-Förderprogramme weiterentwickelt zu werden.

Aktuelle Projekte mit Flagship-Status

BSTC –Baltic Sea Tourism Center. Aufbau eines Ostsee-Tourismus-Center (im Internationalen Haus des Tourismus in Rostock) als operative und strategische Basis für die Entwicklung des Ostseeraumes als Tourismusdestination. Das BSTC soll alle relevanten Tourismusakteure und ihre Interessen unter einem Dach vereinen und als Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft fungieren (Federführung: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern).

MIRA – Nachhaltige Tourismusmobilitätskonzepte in Zeiten des demografischen Wandels im ländlichen Raum entwickeln, sichern und erhalten (Federführung: Stadt Västerås, Schweden).

Termine

17.08.2015 - Workshop der Partner des Seed Money Projekts "Baltic Sea Tourism Center" in Næstved (DK)

30.08. - 01.09.2015 - Ostseeparlamentarier-Konferenz in Rostock Hohe Düne

22.-23.09.2015: 8. Ostsee-Tourismusforum 2015 in Gdansk/Polen

Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit
Koordinator für den Schwerpunktbereich Tourismus
EU-Strategie für den Ostseeraum
Gerd Lange
Telefon: 0385-588 5240
Telefax: 0385-588 5022