Gewinner des „Ideenwettbewerbes Ernährungswirtschaft“ ausgezeichnet

Glawe: Preisträger überzeugen mit innovativen Produkten, neuen Verfahrensmethoden und außergewöhnlichen Wertschöpfungsansätzen

Nr.83/18 - Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit  | 19.03.2018  | Europamv  | europa-mv.de

Erstmals sind am Montag (19.03.) in Neubrandenburg die Gewinner des Ideenwettbewerbs Ernährungswirtschaft ausgezeichnet worden. Das Wirtschaftsministerium und die Hochschule Neubrandenburg hatten den Wettbewerb gemeinsam vorbereitet. „Die Preisträger des Ideenwettbewerbs Ernährungswirtschaft haben mit innovativen Produkten, neuen Verfahrensmethoden und außergewöhnlichen Wertschöpfungsansätzen überzeugt. Im Zusammenspiel von Wirtschaft und Wissenschaft sind Vorhaben entstanden, die die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit in der Ernährungswirtschaft erhöhen können“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe vor Ort.

Schwerpunkte des Wettbewerbs, für den es 14 Bewerbungen gab, waren die Themen gesunde Ernährung, technologische Innovationen sowie Prozessinnovationen. Für den gesamten Wettbewerb stellt das Wirtschaftsministerium Mittel in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro für Projektförderungen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung.

 

Die Preisträger und ihre Projekte:

 

Amaranth als Grundstoff für vegane, glutenfreie, eiweißreiche Backwaren

Für die Entwicklung eines Verfahrens zur Aufbereitung und zum Einsatz von Amaranth in veganen, glutenfreien, eiweißreichen Backwaren neuer Generation erhielten die Projektpartner Bäckerei & Konditorei Reichau aus Grambin (Landkreis Vorpommern-Greifswald) und das Zentrum für Ernährung und Lebensmitteltechnologie gGmbH (ZELT) aus Neubrandenburg eine Auszeichnung. Amaranth gilt als sogenanntes „Pseudogetreide“. Das bedeutet, obwohl es botanisch nicht zu den Süßgräsern gehört, lassen sich die feinkörnigen Samen für die menschliche Ernährung nutzen und wie Getreide verarbeiten. Amaranth enthält kein Gluten, daher ist es als Getreideersatz für Personen geeignet, die auf glutenfreie Nahrungsmittel angewiesen sind oder diese bevorzugen. Amaranthmehl ist für die Ausbildung großvolumiger Teigstrukturen, wie sie bei Brot nötig sind, nicht geeignet. Deshalb wird Amaranth zur Proteinanreicherung in Backwaren oft nur in geringeren Anteilen eingesetzt. Die Entwicklung eines spezifischen Verfahrens zum Backen mit Amaranthmehl und den dafür notwendigen Verfahrensumstellungen in Rohstoffvorbehandlung und Teigbereitung ist Kern des vorliegenden Forschungsvorhabens.

„Die Idee für den Einsatz von Amaranth ist ein Paradebeispiel für die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Aus dem täglichen, engen Kundenkontakt hat die Bäckerei & Konditorei Reichau den Bedarf für glutenfreie Backwaren hautnah erlebt. Mit einem wissenschaftlichen Partner an der Seite – der ZELT – sollen nun für die Kunden Backwaren für den beschwerdefreien Genuss entstehen“, sagte Glawe.

 

Aus Rübenpressschnitzel werden Pektine für die Lebensmittelindustrie, die Pharmazeutik und Kosmetika

Zweiter Preisträger ist das Vorhaben „UltraPekt - Ultraschallgestützte enzymatische Extraktion von Zuckerrübenpektinen“ der Suiker Unie GmbH & Co. KG – Zuckerfabrik Anklam mit dem Zentrum für Ernährung und Lebensmitteltechnologie gGmbH (ZELT). Aufgrund ihrer Fähigkeit, Gele zu bilden, sind Pektine in der Lebensmittelindustrie, der Pharmazeutik oder für Kosmetika ein unverzichtbarer Bestandteil vieler Produkte, bei denen Geliermittel, Verdickungsmittel oder Stabilisierungsmittel eingesetzt werden. Die Rohstoffe für die Pektinherstellung (beispielsweise Schalen von Zitrusfrüchten) müssen teilweise über weite Entfernungen nach Deutschland importiert werden. Eine kostengünstige und ressourcenschonende Alternative könnte die Pektingewinnung aus Rübenpressschnitzeln, die bei der Zuckergewinnung in großen Mengen anfallen, darstellen. Gesamtziel des Projektes „Ultrapekt“ ist die Erforschung und Entwicklung eines Verfahrens für die Extraktion von Pektin aus Rübenpressschnitzeln. Durch den Einsatz der Leistungs-Ultraschall-Technologie in Kombination mit maßgeschneiderter Enzymtechnik können zelluläre Bindungen leichter aufgebrochen, das Pektin freigesetzt und zusätzliche Wertstoffe gewonnen werden. Zudem ermöglicht die Technologie eine Verringerung bzw. Vermeidung chemischer Lösungsmittel in der Produktgewinnung. Ein weiteres Ziel ist die Gewinnung von Folgeprodukten des Pektins, sogenannter Oligogalakturonide, die probiotische Wirkung besitzen und dadurch für gesundheitsfördernde Lebensmittel bzw. Lebensmittelzusatzstoffe interessant sein können.

„Die besondere Innovation des Vorhabens liegt in der Nutzung der heimischen, regional verfügbaren Zuckerrübe für ein breiteres Anwendungsgebiet und eine höhere Wertschöpfung. Die bei der Pektingewinnung aus Zuckerrübenpressschnitzeln verbleibenden Reststoffe können wie bisher im Biogasprozess der Zuckerfabrik Anklam genutzt werden. So kann es zu einer besonders ressourcenschonenden, vollständigen Verarbeitung der Zuckerrübe kommen“, sagte Glawe.

 

Informationen zu Forschung, Entwicklung und Innovation in Mecklenburg-Vorpommern

Für die Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation (FEuI) in Mecklenburg-Vorpommern stehen in der EU-Förderperiode 2014 bis 2020 insgesamt 168 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung. Es ist geplant, den Etat um 50 Millionen Euro zu erhöhen. Im Jahr 2017 hat das Wirtschaftsministerium 86 FEuI-Projekte mit insgesamt 50,4 Millionen Euro unterstützt.

 

Informationen zur Ernährungswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern nimmt die Ernährungsindustrie traditionell einen großen Stellenwert ein. Sie zeichnet sich durch eine große Zahl leistungsfähiger mittelständischer Unternehmen sowie ein qualitativ hochwertiges und vielfältiges Produktsortiment aus. Derzeit sind in den 86 Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitern insgesamt über 14.400 Mitarbeiter beschäftigt. Die Branche erwirtschaftete dabei einen Jahresumsatz von rund 4,5 Milliarden Euro. Der Anteil der Ernährungsindustrie am Gesamtumsatz des verarbeitenden Gewerbes beträgt etwa 33 Prozent. Die Ernährungswirtschaft ist damit innerhalb des verarbeitenden Gewerbes sowohl gemessen an der Zahl der Beschäftigten als auch nach dem Umsatz der größte Industriezweig des Bundeslandes. Zu den bedeutendsten Produktionsbereichen gehören die Backwarenindustrie, die Fleischverarbeitung, die Milchverarbeitung, die Fischverarbeitung und die Getränkeherstellung.