Arbeitsmarkt Mecklenburg-Vorpommern – Bilanz 2017 und Ausblick 2018

Glawe: Neue Schwerpunkte der Arbeitsmarktpolitik auf den Weg gebracht – mehr Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt

Nr.450/17  | 05.12.2017  | Europamv  | europa-mv.de

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts- und Arbeitsminister Harry Glawe und die Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, haben den Arbeitsmarkt 2017 sowie einen Ausblick auf die Arbeitsmarktpolitik 2018 vorgestellt. „Der Arbeitsmarkt befindet sich insgesamt in der besten Verfassung seit der Wiedervereinigung. Die Perspektiven im Land, einen Ausbildungs- und auch Arbeitsplatz zu finden, haben sich in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. Dafür können wir noch stärker werben. Trotz des starken Rückgangs bei der Arbeitslosigkeit müssen wir die Rahmenbedingungen weiter verbessern. Ziel ist es, dass mehr Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Perspektive haben. Wir wollen Langzeitarbeitslose weiter besser in den Arbeitsmarkt integrieren“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Harry Glawe am Dienstag im Rahmen der Landespressekonferenz (LPK) in Schwerin.

 

Margit Haupt-Koopmann betonte: „Ich kann für 2017 eine positive Bilanz ziehen. Nicht nur die Zahl der Arbeitslosen ist im Vergleich zum Vorjahr wiederum deutlich gefallen, auch das Risiko arbeitslos zu werden, war seit der Wiedervereinigung noch nie so gering. So ist die Zahl der Arbeitslosmeldungen aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung im Vorjahresvergleich um 7,0 Prozent gesunken. Ohne den kontinuierlichen Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen und ohne die nochmals gestiegene Arbeitskräftenachfrage wäre dieser Abbau nicht möglich gewesen. So wurden den gemeinsamen Arbeitgeberservice-Teams der Arbeitsagenturen und Jobcenter seit Januar 2017 47.000 sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet. Das sind 3.700 oder 8,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.“

 

Mehr Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt

Für 2017 werden im Durchschnitt etwa 71.000 Arbeitslose in Mecklenburg-Vorpommern erwartet. „Das wären 11,7 Prozent weniger als 2016. Der Anstieg an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen belegt einen echten Beschäftigungsaufbau. Und für das kommende Jahr dürfte die Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter um 1,5 Prozent steigen. Das ist ein weiterer Zuwachs um rund 8.800 Beschäftigte“, so Glawe weiter. In den vergangenen zehn Jahren ist die Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter um rund 50.000 (+8,8 Prozent) gestiegen (September 2007: 529.800; September 2017: 576.400).

 

Margit Haupt-Koopmann unterstrich: „Besonders freut mich der große Anstieg sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse im Gesundheits- und Sozialwesen. Für diesen konjunkturunabhängigen Wachstumsmarkt können wir im 10-Jahresvergleich ein Plus von 37.800 oder 54,7 Prozent auf 106.700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte melden. Und diese positive Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Denn der Bedarf an Fachkräften wird - angesichts der demografischen Entwicklung und des medizinischen Fortschritts - auch künftig steigen.“

 

Vorpommern entwickelt sich positiv

Während die Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen 12 Monaten um 10,6 Prozent gesunken ist, ist sie in Vorpommern um 12,1 Prozent zurückgegangen (Stand: November 2017). „Von der günstigen Entwicklung auf dem gesamten Arbeitsmarkt profitiert vor allem auch Vorpommern. Der Abbau der Arbeitslosigkeit geht in unserem östlichen Landesteil gut voran. Wir brauchen vor allem auch im stärker vom Tourismus geprägten Vorpommern mehr saisonverlängernde und saisonunabhängige Beschäftigungsangebote. Die Ansiedlung von mehr Industrie sorgt auch für mehr dauerhafte Beschäftigung“, so Glawe weiter.

 

Deutlicher Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit im Land

Seit Jahresanfang ist die Langzeitarbeitslosigkeit mit einem Rückgang von 16,3 Prozent noch stärker gesunken als die Arbeitslosigkeit insgesamt (Stand: November 2017). „Das liegt auch daran, dass sich die Bereitschaft der Arbeitgeber erhöht hat, Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben. Wichtig ist es, langfristige und nachhaltige Arbeitsmarktperspektiven für Langzeitarbeitslose auf dem ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Daran arbeiten wir weiter“, erläuterte Arbeitsminister Glawe.

 

Schwerpunkte der Arbeitsmarktpolitik

 

Wirtschafts- und Arbeitsminister Glawe ging auch auf die Arbeitsmarktpolitik ein. „Zu Beginn des Jahres haben wir einige Schwerpunkte unserer neuen Arbeitspolitik vorgestellt. Vieles davon haben wir in diesem Jahr angeschoben und auf den Weg gebracht. Wir haben neue Angebote und einen Rahmen zur weiteren Bekämpfung der Arbeitslosigkeit geschaffen. Entscheidend ist, dass diese am Ende auch genutzt werden“, sagte Glawe.

 

Haupt-Koopmann hob hervor: „Wir - die Arbeitsagenturen und Jobcenter - werden natürlich auch 2018 in Qualifizierung investieren. Denn zielgerichtete Aus- und Weiterbildungsangebote erhöhen insbesondere die Integrationschancen von un- und angelernten Frauen und Männern. Als Beispiel möchte ich unser Sonderprogramm ‚Zukunftsstarter‘ nennen. Es wendet sich bewusst an die Gruppe der 25- bis unter 35-jährigen ohne Berufsabschluss. Eine lohnende Investition! Denn in Mecklenburg-Vorpommern gibt es rund 7.400 ungelernte Arbeitslose in dieser Altersgruppe, die noch 30 bis 40 Jahre Berufsleben vor sich haben und deren Potential wir ‚heben‘ möchten. Die bisherigen Eintrittszahlen zeigen, dass dieser Ansatz genau richtig ist: Seit Beginn der Initiative im Jahr 2013 haben 4.300 junge Erwachsene aus dieser Gruppe das Programm genutzt und eine abschlussorientierte Weiterbildung begonnen.“

 

  1. Schwerpunkt: Bürgerarbeit auf den Weg gebracht

Die Maßnahme „Bürgerarbeit“ ist im September gestartet. Gefördert wird die Bereitstellung von Arbeitsplätzen insbesondere für Langzeitarbeitslose. „Damit eröffnen wir mit Unterstützung der Jobcenter arbeitsmarktfernen Bürgerinnen und Bürgern in unserem Land neue Beschäftigungsperspektiven bei kommunalen, gemeinnützigen und erstmals bei gewerblichen Arbeitgebern“, so Glawe. Dem Arbeitgeber kann eine Pauschale für Sach- und Personalausgaben in Höhe von 6.000 Euro pro Vollzeitarbeitsplatz gewährt werden. Der bereitgestellte Arbeitsplatz muss mindestens für die Dauer von insgesamt 22 Monaten mit einer geförderten Person der Zielgruppe besetzt sein. Bisher wurden von den Jobcentern Förderungen für 193 Arbeitsplätze beantragt, davon sind bereits 48 Arbeitsplätze besetzt.

 

  1. Schwerpunkt: Joblotsen - Integration von Flüchtlingen

Die Anzahl der arbeitslosen Geflüchteten ist in den vergangen 12 Monaten kaum gestiegen (von 2.721 auf 2.934, Stand: November 2017). Noch befinden sich viele Geflüchtete in den Integrationskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) oder bereits in qualifizierenden Maßnahmen der Jobcenter, der Agenturen für Arbeit oder des Landes. „Ein weiteres Anliegen ist mir, dass die Unternehmen in unserem Land in ihrer Bereitschaft, geflüchtete Menschen einzustellen, Hilfe und Begleitung bekommen. Thema ist hierbei die Integration von Migranten in Arbeit. Die größte Herausforderung im Jahr 2018 wird der Übergang Geflüchteter in den Arbeitsmarkt sein“, betonte Arbeitsminister Glawe. Um den beruflichen Einstieg zu unterstützen, haben das Wirtschafts- und Arbeitsministerium mit der Regionaldirektion Nord vereinbart, dass Joblotsen den Geflüchteten und interessierten Arbeitgebern zur Seite stehen werden. Die ersten der 22 Joblotsen haben ihre Arbeit im September aufgenommen. Bis zum 01. Januar 2018 werden dann alle in den Jobcentern einsatzbereit sein.

 

Darüber hinaus hat das Wirtschafts- und Arbeitsministerium am 01. November eine Projektgruppe zur beruflichen Integration von Migrantinnen und Migranten eingesetzt. „Ein Landeskoordinator und vier Regionalkoordinatoren sind kompetente Ansprechpartner für Institutionen und Unternehmen rund um die Beschäftigung und berufliche Integration von Geflüchteten“, so Glawe. Außerdem werden die Regionalkoordinatoren in Schwerin, Rostock, Neubrandenburg und Stralsund in den jeweiligen Regionen die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure bei der beruflichen Integration von Geflüchteten fördern.

 

  1. Schwerpunkt: Regionalspezifische Ausrichtung des Arbeitsmarktes

Um den Herausforderungen vor Ort bestmöglich gerecht zu werden, wird eine strategische Regionalisierung der Arbeitsmarktpolitik in Mecklenburg-Vorpommern gegenwärtig erarbeitet. Das betrifft zum einen die dafür zur Verfügung stehenden fünf Förderinstrumente. Das sind Strukturentwicklungsmaßnahmen, Familiencoach-, Integrations- und Kleinprojekte sowie die Förderung der beruflichen Mobilität. „Die dafür zur Verfügung stehenden Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) für die Förderperiode 2014 bis 2020 haben wir im Jahr 2017 um 4 Millionen Euro auf nunmehr 49 Millionen Euro aufgestockt“, sagte Arbeitsminister Glawe.

 

Zusätzlich erhalten die vier Regionalbeiräte aus der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) so genannte „Regionalbudgets“. „Sie können für Projekte zur Verbesserung der regionalen Kooperation, zur Mobilisierung und Stärkung regionaler Wachstumspotenziale, zur Verstärkung von Maßnahmen des Regionalmarketings und zur Verbesserung der Fachkräfteversorgung eingesetzt werden. In den kommenden drei Jahren werden dafür insgesamt 3,6 Millionen Euro zur Verfügung stehen“, erläuterte Wirtschaftsminister Glawe. „Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die Arbeitsmarktförderung in unserem Land künftig generell noch stärker an regionalspezifisch unterschiedliche Bedarfe in Regionen und Orten auszurichten. Bestehende Förderinstrumente sollen regionalspezifisch flexibler ausgerichtet werden, damit höchstmögliche Effekte für die Regionen entstehen“, betonte Glawe.

 

  1. Schwerpunkt: Existenzgründung im Fokus

Im Rahmen der Existenzgründungsförderung im Wirtschaftsministerium sollen zwei Start-Up-Zentren eingerichtet werden. „Wir werden auch private Investoren unterstützen, ein Finanzierungsnetzwerk von Start-Ups zu bilden. Und wir werden Gründer von Start-Ups mit digitalen Geschäftsmodellen stärker in den Fokus nehmen“, so Wirtschaftsminister Glawe.

 

  1. Schwerpunkt: Qualifizierungsoffensive ist gestartet

Die Qualifizierungsoffensive ist im November gestartet. „Es ist wichtig, dass Menschen, die einen Job haben, fit für die Zukunft gemacht werden. Das geschieht, indem sie die Möglichkeit bekommen, sich zu qualifizieren. Davon profitieren auch die Unternehmen. Die beste `Ressource´, die ein Unternehmen haben kann, sind qualifizierte Fachkräfte. Darüber hinaus ist Qualifikation auch zunehmend eine Wettbewerbsfrage, wenn es um Aufträge geht. Wer ein volles Auftragsbuch hat, sichert wiederum die Jobs seiner Mitarbeiter“, sagte Glawe.

 

Wenn Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit überregionalem Absatz für die Kompetenzfeststellung der Beschäftigten, für die Analyse des Qualifizierungsbedarfs für Arbeitsplätze in dem Unternehmen oder für die berufliche Qualifizierung ihrer Beschäftigten einen externen Dienstleister beauftragen, können sie mit 50 Prozent der förderfähigen Kosten direkt gefördert werden. Die Höchstförderung kann bis zu 100.000 Euro pro Förderfall betragen.

 

Auch die Förderung durch Bildungsschecks steht Unternehmen in nahezu allen Branchen zur Verfügung. Gefördert wird die Teilnahme an der beruflichen Weiterbildung von Beschäftigten durch Maßnahmen, die es ermöglichen, Kompetenzen und Qualifikationen im Unternehmenskontext zu erhalten, zu erweitern oder zu erwerben. Die Förderung erfolgt in Höhe von 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben.