Automobilzulieferer diskutieren Thema Digitalisierung in Wismar

Glawe: Grundlegende Veränderungen der Arbeitswelt – veränderte Kompetenz- und Qualifikationsanforderungen – Wirtschaftsministerium unterstützt Digitalisierungsaktivitäten

Nr.444/17 - Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit  | 30.11.2017  | Europamv  | europa-mv.de

„Digitalisierung als Motor für Wertschöpfung und Beschäftigung in der Zulieferindustrie“ lautete das Leitthema der 7. Technologie- und Industriepolitischen Konferenz, die das Netzwerk automotive-mv e. V. in diesem Jahr gemeinsam mit seinem Branchentag der Automobilzulieferer in Wismar organisierte. „Bei der Digitalisierung geht es um die Vernetzung technischer Systeme in Echtzeit von Unternehmen mit Zulieferern und Kunden. Mit dem digitalen Wandel werden sich bestehende Wertschöpfungsmodelle und die Produktion in Unternehmen nachhaltig verändern. Damit gehen grundlegende Veränderungen der Arbeitswelt und veränderte Kompetenz- und Qualifikationsanforderungen an die Beschäftigten einher. Unternehmen, die den Schritt der Digitalisierung wagen, werden sich auf neuen Organisationsformen in den Unternehmen einstellen. Das sind herausfordernde Aufgaben für die Unternehmen und ihre Mitarbeiter. Bei der Bewältigung unterstützen wir die Unternehmen der Zuliefererindustrie“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe vor Ort.

 

Forschung- und Entwicklungsaktivitäten erhöhen

Im Rahmen der Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation aus dem „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) hat das Wirtschaftsministerium Möglichkeiten für Unternehmen geschaffen, sich bei einem Einstieg in den Digitalisierungsprozess begleiten zu lassen. Insgesamt stehen in der europäischen Förderperiode 2014 bis 2020 168 Millionen Euro für Forschung, Entwicklung und Innovation zur Verfügung. Im Bereich Forschung und Entwicklung wurden bereits zahlreiche Produkt- und Verfahrensentwicklungen unterstützt, die einen relevanten Bezug zur Digitalisierung haben. „Immer mehr innovative Produkte sind ohne den Schritt hin zur Digitalisierung nicht mehr denkbar. Das ist auch notwendig, um langfristig Wettbewerbsnachteile zu vermeiden“, erläuterte Wirtschaftsminister Glawe.

 

Im Jahr 2015 waren es 83 Projekte mit einem Gesamtzuschuss von 21,6 Millionen Euro, 99 Projekte im Jahr 2016 mit einem Gesamtzuschuss von 32,2 Millionen Euro und 2017 bisher 53 Projekte mit einem Gesamtzuschuss von 28,3 Millionen Euro. Dabei handelt es sich beispielsweise um innovative Lenksysteme im Fahrzeugbau, Lebensmittelverarbeitungsmaschinen und innovative Medizintechnik. „Die Zahl der Vorhaben zeigt, dass das Thema Digitalisierung von den Unternehmen in unserem Land verstärkt angegangen wird, um wettbewerbsstark am Marktgeschehen teilzunehmen. Aber: Um zukunftsorientierte Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern ist es wichtig, die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten weiter zu erhöhen. Sie sind die Grundlage dafür, um im Ergebnis auch zu marktfähigen Produkten zu kommen. Ziel ist es, dass die Produkte auch bei uns im Land hergestellt werden. Das schafft und sichert weitere Arbeitsplätze“, sagte Glawe.

 

Qualifizierungsmaßnahmen für Beschäftigte notwendig

„Die digital vernetzte Arbeitswelt erfordert künftig komplexere und zunehmend wissensbasierte Tätigkeiten. Damit verschieben sich die Kompetenzanforderungen an die Beschäftigten. Um gerüstet zu sein, sind Qualifizierungsmaßnahmen erforderlich“, sagte Glawe und verwies auf die Richtlinie zur Förderung der berufsbegleitenden Qualifizierung von Beschäftigten in Unternehmen (Qualifizierungsrichtlinie), die zum ersten Dezember in Kraft tritt. Wenn Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit überregionalem Absatz für die Kompetenzfeststellung der Beschäftigten, die Analyse des Qualifizierungsbedarfs der Arbeitsplätze in dem Unternehmen oder für die berufliche Qualifizierung ihrer Beschäftigten einen externen Dienstleister beauftragen, können sie mit 50 Prozent der förderfähigen Kosten direkt gefördert werden. Die Höchstförderung kann bis zu 100.000 Euro pro Förderfall betragen.

 

Auch die Förderung durch Bildungsschecks steht Unternehmen in nahezu allen Branchen zur Verfügung. Gefördert wird die Teilnahme an der beruflichen Weiterbildung von Beschäftigten durch Maßnahmen, die es ermöglichen, Kompetenzen und Qualifikationen im Unternehmenskontext zu erhalten, zu erweitern oder zu erwerben. Die Förderung erfolgt in Höhe von 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Für Qualifizierungen mit qualifizierter Teilnahmebescheinigung ist die Zuwendung auf höchstens 500 Euro je Bildungsscheck und Qualifizierungsmaßnahme begrenzt. Bei abschlussorientierten Qualifizierungen ist die Zuwendung auf höchstens 3.000 Euro begrenzt. (weitere Informationen unter www.gsa-schwerin.de)

 

Automobilzulieferindustrie in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind etwa 100 überwiegend kleine und mittlere Unternehmen im Bereich automotive tätig. Davon sind rund 30 Unternehmen spezialisierte Automotive-Zulieferer, beispielsweise die Webasto Neubrandenburg GmbH in Neubrandenburg, die ZF TRW Airbag Systems GmbH in Laage, die Flamm Precomp GmbH & Co. KG in Laage und die Oberaigner Automotive GmbH in Laage. Derzeit gibt es rund 5.000 Beschäftigte in diesem Industriezweig, die einen jährlichen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro erwirtschaften.

„Im Land hat sich eine dynamische Automobilzulieferindustrie entwickelt, die sich als zuverlässiger Partner der Automobilwirtschaft etabliert hat. Sie stehen für technologische Innovationen und hochwertige Beschäftigung“, sagte Glawe.

So werden in Mecklenburg-Vorpommern hochwertige Fahrzeugklimatisierungs- und Heizsysteme, Komponenten für einen zuverlässigen Insassenschutz und moderne Fahrzeuginformationssysteme gefertigt. Daneben produzieren die Unternehmen im Land hydraulische Präzisionskomponenten, statten Nutzfahrzeuge mit Allradantrieben aus und sind im Bereich der Leichtmetallumformung tätig.

 

Informationen zum Netzwerk „automotive mv e.V.“

Der Verein „automotive mv e.V.“ wurde im Juni 2006 durch 12 Netzwerkpartner gegründet. Gegenwärtig hat der Verein 22 Mitgliedsunternehmen mit rund 3.500 Beschäftigten und 180 Auszubildenden, die einen Jahresumsatz in Höhe von etwa 1 Milliarde Euro erwirtschaften. Zu ihnen gehören beispielsweise die Webasto Neubrandenburg GmbH, ZF TRW Airbag Systems GmbH Laage, Lear Corporation GmbH - Werk Wismar, Hydraulik Nord Fluidtechnik GmbH & Co. KG Parchim, ml&s GmbH & Co. KG Greifswald und FlammPrecomp GmbH & Co. KG in Laage. Die Mitglieder des Netzwerkes wollen die vorhandenen Potentiale vor allem klein und mittelständischer Zulieferer effektiver nutzen. So wirbt die Initiative beispielsweise im Zusammenschluss um Aufträge für Unternehmen im Land, berät und unterstützt bei Qualifizierung und Ausbildung, bündelt Kompetenzen und pflegt Erfahrungsaustausch.