Landesweiter Obermeistertag in Güstrow

Rudolph: Handwerk steht vor großen Veränderungen - digitale Transformation erfasst die komplette Wertschöpfungskette in Unternehmen

Nr.348/17 Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit  | 26.09.2017  | Europamv  | europa-mv.de

Am Dienstag (26.09.) hat in Güstrow (Landkreis Rostock) der 19. Obermeistertag mit über 100 Teilnehmern stattgefunden. Im thematischen Mittelpunkt stand das Motto „Revolution oder Evolution – die Entwicklung der Arbeitswelt im Handwerk“. „Das Handwerk steht vor großen Veränderungen, denn die digitalen Technologien haben in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die digitale Transformation erfasst die komplette Wertschöpfungskette in Unternehmen. Dieser Wandel wird die Geschäftsmodelle grundlegend verändern. Das Handwerk muss sich dafür wappnen. Handwerkskammern, Innungen, Obermeister und viele andere bringen sich aktiv ein, die zu erwartenden Veränderungen zu erkennen und dabei mitzuhelfen, diese zu meistern.“, sagte der Staatssekretär für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Dr. Stefan Rudolph vor Ort.

IT-Berater unterstützen heimische Unternehmen bei digitalen Veränderungsprozessen

Speziell für das Handwerk gibt es bundesweit vier „Kompetenzzentren Digitales Handwerk“, die Handwerksbetriebe bei der Entwicklung von Digitalisierungsstrategie beraten und helfen, digitale Technologien einzuführen. Die Kompetenzzentren sind Teil der Förderinitiative „Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse“, die im Rahmen des Förderschwerpunkts „Mittelstand-Digital – Strategien zur digitalen Transformation der Unternehmensprozesse“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert werden. In Mecklenburg-Vorpommern unterstützt das Wirtschaftsministerium zusätzlich IT-Berater bei den Handwerkskammern. Aufgabe der Fachkräfte ist es,  die Handwerksunternehmen zu den technischen Voraussetzungen von Informations- und Kommunikationstechnologien sowie deren Chancen und Risiken zu beraten. Der Zuschuss beträgt 300 Euro pro Beratungstagewerk aus Mitteln des „Europäischen Sozialfonds“ (ESF); maximal können 120 Tage pro Jahr abgerechnet werden. „In der Digitalisierung der Unternehmensprozesse liegen viele Potenziale für das Handwerk, beispielsweise durch effiziente Arbeitsabläufe mittels entsprechender Softwareprogramme, eine individuellere Kundenansprache etwa durch einen aussagefähigen Internetauftritt und eine effizientere Markterschließung über professionelles Online-Marketing. Die Chancen sollten die Handwerksbetriebe jetzt aufgreifen“, sagte Rudolph.

Forschung, Entwicklung und Innovation im Handwerk – bisher 30 Projekte angestoßen

„Handwerksbetriebe haben viel innovatives Potential. Im täglichen Arbeitsablauf wird geforscht, erfunden und entwickelt, um für die Kunden die besten Lösungen zu finden. Diese wichtige Entwicklungsarbeit müssen wir auf eine breitere Basis stellen mit Unterstützung der wissenschaftlichen Einrichtungen des Landes“, forderte Rudolph. Für Handwerksunternehmen besteht beispielsweise die Möglichkeit, Verbundforschungsprojekte zu initiieren. Das sind Projekte von Unternehmen, Hochschulen sowie außeruniversitären Forschungseinrichtungen die zum Ziel haben, international wettbewerbsfähigen Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. In der europäischen Förderperiode 2014-2020 stehen für die Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovationen (FuEI) in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 168 Millionen Euro zur Verfügung. Bis zum 31.12.2016 wurden bislang Zuschüsse von insgesamt 53,8 Millionen Euro für 182 Vorhaben bewilligt; davon unter anderem 42,1 Millionen Euro für 104 Verbundforschungsvorhaben, 6,9 Millionen Euro für 22 einzelbetriebliche FuEI-Vorhaben, 800.000 Euro für sechs Innovationsberatungsdienste und innovationsunterstützende Dienstleistungen. Von diesen bewilligten Mitteln gingen insgesamt 6,3 Millionen Euro an 30 Projekte des Handwerks.

„Gesund-tut-gut in MV“ unterstützt bei der Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements – Wirtschaftsministerium fördert Projektaktivitäten

„Die Arbeit im Handwerk erfordert körperliche und geistige Kondition. Deshalb sind neben Qualifizierungsmaßnahmen und Imagewerbung für die Fachkräftesicherung auch Maßnahmen zur Gesunderhaltung erforderlich“, sagte Rudolph. Der Wirtschafts-Staatssekretär übergab heute vor Ort einen Fördermittelbescheid an das Projekt „Gesund-tut-gut in MV e.V.“. Der Verein unterstützt Kleinst- und Kleinbetriebe im Handwerk bei der Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements zur Fachkräftesicherung. Die Gesamtkosten des Projektes betragen knapp 380.000 Euro (Laufzeit bis zum 31.01.2020). Das Wirtschaftsministerium unterstützt das Vorhaben aus dem „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) in Höhe von rund 266.000 Euro. Bei dem Projekt handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Initiative „Ganzheitliches Betriebliches Gesundheitsmanagement im Handwerk MV“ („GabeGe Handwerk MV“), das jüngst mit dem erstmals verliehenen Präventionspreis Mecklenburg-Vorpommern in der Kategorie „Gesunde Lebensmitte“ ausgezeichnet wurde.

„Sich aktiv um die Gesunderhaltung der Mitarbeiter zu kümmern, liegt auch in der Verantwortung eines Unternehmers. Die Vorteile liegen auf der Hand – durch gemeinschaftlichen Sport wird der Zusammenhalt gestärkt, Stress abgebaut und die Gesundheit gestärkt. Das ist ein innovativer Ansatz mit flächendeckender Wirkung. Ich empfehle den Betrieben, das Angebot wahrzunehmen, um die Leistungsfähigkeit zu sichern“, sagte Rudolph.

Informationen zum Obermeistertag

Der Obermeistertag wird jährlich durchgeführt und ist eine gemeinsame Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern M-V und dem Wirtschaftsverband Handwerk e.V. In diesem Jahr liegt die Federführung bei der Handwerkskammer Schwerin. Teilnehmer sind neben den Kammervorständen und Ehrenamtsträgern des Handwerks, insbesondere die Obermeister der Handwerksinnungen unseres Landes, die als Interessenvertretung des jeweiligen Gewerkes agieren. Zum Obermeistertag sind alle Obermeister des Landes eingeladen. Staatssekretär Dr. Rudolph dankte abschließend den Organisatoren der Veranstaltung: „Der jährlich stattfindende, landesweite Obermeistertag ist ein wichtiges Treffen der Interessenvertreter des Handwerks. Hier werden Zukunftsthemen diskutiert, kommende Herausforderungen für die Betriebe benannt und Lösungsstrategien aufgezeigt. Diese Tradition muss unbedingt aufrecht erhalten bleiben.“

Informationen zum Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern

Derzeit sind über 20.200 Betriebe bei den Handwerkskammern verzeichnet. Diese beschäftigen über 112.000 Menschen und 4.985 Lehrlinge und erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von 9 Milliarden Euro. Gemessen an den gesamtwirtschaftlichen Eckdaten können dem Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern etwa 10 Prozent der Bruttowertschöpfung, rund 14 Prozent der Erwerbstätigen und etwa 25 Prozent des Ausbildungsmarktes zugerechnet werden. Mit 12,4 Handwerksbetrieben je 1.000 Einwohner wird der deutsche Durchschnitt von 11,8 Betrieben pro 1.000 Einwohnern deutlich übertroffen.