Innovatives Telemedizinprojekt vorgestellt

Glawe: Telemedizinische Anwendung für die Versorgung von Hautkrankheiten im ländlichen Raum

Nr.121/17 - Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit  | 11.04.2017  | Europamv  | europa-mv.de

In Schwerin ist am Dienstag im Rahmen der Landespressekonferenz (LPK) ein innovatives Telemedizinprojekt vorgestellt worden. „Das Ziel des Projektes ist es, die Möglichkeiten von telemedizinischen Anwendungen für die Versorgung von Hauterkrankten im ländlichen Raum zu erproben. Hauterkrankungen eignen sich hier besonders, da sich Hautveränderungen leicht über Bilder vermitteln lassen. So können Hausärzte, Fachärzte sowie Notfallambulanzen an Krankenhäusern mit Hilfe einer App die Symptome gemeinsam ansehen, beraten und entscheiden, wie weiter behandelt werden kann. Der Patient erhält über das System die notwendigen Informationen zur Verfügung. Er spart sich entsprechende Anfahrtswege“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe. „Mir ist wichtig, dass die App und das zugrundeliegende telemedizinische Konzept zukünftig auch für andere Fachrichtungen wie beispielsweise der Augenheilkunde genutzt werden kann. Damit wird also keine Insellösung geschaffen, sondern ein übertragbares Konzept. Im Erfolgsfall kann die neue Versorgungsform auch auf andere strukturschwache ländliche Regionen übertragen werden.“

 

Telemedizinische Beratung mittels App

Das Projekt etabliert ein telemedizinisches Konsil zwischen Ärzten und Fachärzten. Die teilnehmenden Ärzte nutzen dabei eine App, die Veränderungen der Haut abbildet. Anschließend leiten sie die Daten an die Dermatologie der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) oder an kooperierende niedergelassene Dermatologen weiter. Von diesen Experten erhalten sie über die App anschließend eine konsiliarische Empfehlung zur weiteren Behandlung. Sofern Patienten kurzfristig keinen Termin bei Dermatologen erhalten, müssen sie nun nicht zwangsläufig eine Klinik aufsuchen. Sie können sich an ihren bereits behandelnden Hausarzt wenden und werden mittels Telekonsile trotzdem parallel von Spezialisten beraten bzw. behandelt. Rund 100 Hausärzte und 20 Dermatologen werden miteinander vernetzt. Darüber hinaus tauschen sich auch zehn Notfallambulanzen mit Spezialisten der Hautklinik der Universitätsmedizin Greifswald via Telekonsile aus. Die Konsortialführerschaft hat die Techniker Krankenkasse (TK) in Mecklenburg-Vorpommern. Weitere Partner des Projektes sind die Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten der Universitätsmedizin Greifswald, die Informations- und Kommunikationsgesellschaft mbH aus Neubrandenburg sowie das wissenschaftliche Institut für angewandte Versorgungsforschungs GmbH. Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 1,8 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Bundes gefördert. „Mit Hilfe der wissenschaftlichen Evaluation ist es uns möglich, nach Ablauf des Projektzeitraums eine qualitätsgesicherte App-Anwendung in die Regelversorgung zu implementieren“, betont Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern.

 

Telemedizin als Flächenland von Bedeutung

„Die Telemedizin bietet neue Lösungsansätze für eine optimale Betreuung der Menschen. Für die Gesundheitsversorgung gerade in ländlichen Räumen ist die Telemedizin ein wichtiger Lösungsansatz. Sie ist für ein Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern von enormer Bedeutung. Wichtig ist es, die in der Versorgungspraxis bewährte Insellösung in die Regelversorgung zu überführen. Auf diese Weise werden sie für alle nutzbar und zugänglich gemacht“, sagte Gesundheitsminister Glawe. „Die hohe Bedeutung, die der Telemedizin zugewiesen wird, spiegelt sich auch im Koalitionsvertrag wider. „Die Verbesserung der medizinischen Versorgung insbesondere in den dünn besiedelten Regionen Mecklenburg-Vorpommerns steht dort im Fokus“, so Gesundheitsminister Glawe.

 

Wirtschaftsministerium unterstützt Ausbau der Telemedizin im Land

Das Wirtschaftsministerium unterstützt mit Mitteln der Förderung der Gesundheitswirtschaft die Etablierung telemedizinischer Projekte beispielsweise im Rahmen des Ideenwettbewerbs Gesundheitswirtschaft. „Damit wird der wachsenden Bedeutung der Telemedizin Rechnung getragen“, sagte Glawe weiter. Auch im Bereich von Forschung, Entwicklung und Innovation werden Projekte im Rahmen der Verbundforschung gefördert. „Wir wollen, dass das Potenzial und bereits vorhandenes Know-how der Universitäten, Forschungseinrichtungen und der Unternehmen auch im Land bleibt. Wir geben mit unserer Förderung Anreize, Forschung und Entwicklung im Praxisverbund mit kleinen und mittelständischen Firmen in Mecklenburg-Vorpommern durchzuführen.“

Für die Unterstützung von verschiedensten Vorhaben im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation stellt das Wirtschaftsministerium in der EU-Förderperiode 2014 bis 2020 rund 168 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung. „Wir wollen weiter die medizinische Versorgung der Patienten sichern unter Einbindung vieler Akteure wie z. B. der Hochschulen und der IT-Branche. Das kann in gemeinsamer Projektarbeit gelingen, an dessen Ende ein innovatives Produkt steht“, erläuterte Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe.

 

Statements der Partner

 

  • Manon Austenat-Wied, Techniker Krankenkasse, Leiterin der Landesvertretung M-V, Konsortialführerin

Der TK in Mecklenburg-Vorpommern und weiteren Partnern ist es gelungen, Fördergelder aus dem Innovationsfonds ins Land zu holen. „Ich freue mich sehr, dass das Projekt 'Teledermatologie' gleich in der ersten Förderwelle dabei war“, sagt Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern. Ziel ist es, mit Hilfe der Telemedizin die dermatologische Versorgung auf dem Land zu verbessern. Die Dermatologie bietet dafür gute Voraussetzungen. Hauterkrankungen sind fotografisch gut abbildbar und können auf digitalem Weg in angemessener Qualität versendet werden.

Das Projekt startet mit diesem Monat. Circa bis August wird die App für eine gemeinsame Nutzung optimiert. In dieser Testphase können bereits Anfragen verschickt werden, auch um eventuell noch bestehende technische Unzulänglichkeiten zu beseitigen. Ab September wird der erste Patient über diese App betreut. Austenat-Wied betont, dass eine zukunftsgerichtete Gesundheitsversorgung sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie das Wohl der Patienten in den Mittelpunkt stellt. Dabei vernetzen sich unterschiedliche Versorgungsbereiche. „Unser Ziel ist es, Patienten einen schnelleren Zugang ohne lange Wege und Wartezeiten zum Hautarzt zu ermöglichen“, erklärt die Kassenchefin ihr Anliegen.

 

  • Dr. Michael Jünger, Universitätsmedizin Greifswald, Direktor Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten

„Im Bereich der professionellen Medizin kann die Telemedizin bestimmte Aufgaben erfüllen, um Patienten besser nachzubetreuen“, erklärt Prof. Dr. Michael Jünger, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten der Universitätsmedizin Greifswald. Jeder niedergelassene Kollege sollte die Möglichkeit haben, auf einfachem Weg eine dermatologische Frage zu stellen. Gleichzeitig wird ihm, passend zu seiner Praxissoftware, eine zügige Antwort zugesichert. „Wir wollen dabei unterstützen, dass der behandelnde Arzt eine qualitativ akzeptable Therapieentscheidung treffen kann“, bestätigt Prof. Jünger. Rund 100 Hausärzte und 20 Dermatologen werden miteinander vernetzt. Darüber hinaus tauschen sich auch zehn Notfallambulanzen mit Spezialisten der Hautklinik der Universitätsmedizin Greifswald via Telekonsile aus. Aus seiner Erfahrung weiß Jünger, dass sich die Patienten so sicherer und wohler fühlen.

 

  • Rolf-Dietrich Berndt, Infokom GmbH, Geschäftsführer

Durch Smartphones und Tablets haben sich Apps im Alltag etabliert. Warum also sie nicht auch für die Gesundheit einsetzen, fragten sich die Projektteilnehmer. Eine App ist eine Anwendungssoftware und richtet sich an eine bestimmte Zielgruppe. Die Informations- und Kommunikationsgesellschaft mbH in Neubrandenburg ist der maßgebliche Entwickler der mskin® App, die im Projekt „Teledermatologie“ genutzt wird. Geschäftsführer Rolf-Dietrich Berndt steht für den sicheren Transport der Daten. „Wir bewegen uns im Bereich des Bundesdatenschutzgesetzes. Hier gelten sehr strenge Richtlinien.“ Berndt versichert: „Die Daten werden verschlüsselt übertragen und sind für Außenstehende nicht zugänglich.“ Er und sein Team arbeiten weiter an der Funktionalität der App. Sie soll nutzerfreundlich und selbsterklärend sein.